Solarheld Solarpanel für den Balkon

Solarheld Solarpanel für den Balkon

Ich hab ja einen wunderschön nach Süden ausgerichteten Balkon. Viel Sonne. Als ich im März vom Projekt „Solarheld“ las, das Solarzellen für den Balkon anbieten will, fand ich das schon sehr interessant. Damals war das Projekt jedoch noch in der Crowdfunding-Phase. Diese konnte nun erfolgreich abgeschlossen werden, wie Berichte bei Utopia.de und in der Süddeutschen Zeitung zeigen.

Ich finde die Idee toll (siehe auch: Neuer Unsinn mit alten Mitteln) Energie dezentral zu erzeugen und auch die Einstiegskosten sind mit 479 Euro (incl. Versand!) nicht völlig unerschwinglich. Auch würde ich damit einen Anteil leisten, um die Erderwärmung abzumildern. Auch reizt mich die Idee, meinen Strom (zumindest zum Teil) selbst zu produzieren (mit Geld probiere ich das ja zur Zeit auch aus).

Toll ist das Solarheld Produkt auch, weil es vollständig integriert ist. Alles was ich tun muss, ist das Solarpanel aufzustellen, auszurichten und in die Steckdose einzustecken. Keine Installation, nichts. Der erzeugte Strom wird so in Stromnetz der Wohnung eingespeist – und falls er dort nicht verbraucht wird, ins allgemeine Stromnetz abgegeben. Dabei läuft dein Stromzähler rückwärts, d.h. der Strom wird dir gut geschrieben (Achtung: Es gibt neue, digitale Stromzähler, bei denen eine Rücklauf-Sperre eingebaut ist, da funktioniert das nicht).

Aber lohnt sich das auch?

Solarheld schreibt dazu:

Wieviel Strom produziert das solar-pac? Das hängt natürlich von der Sonneneinstrahlung ab. Es gibt für jeden Standort in Deutschland Werte der letzten Jahre, aus denen man den durchschnittlichen Ertrag errechnen kann. Für den Standort Ulm ergibt sich für unser 250Wp PV-Modul (Neigung 27° – Ausrichtung Süd, keine Verschattung) eine Produktion von ca. 265 kWh pro Jahr. Bei einem üblichen Strompreis von 27 Cent brutto, den man als Endverbraucher mittlerweile für eine Kilowattstunde bezahlt, erspart man dadurch 72€ im ersten Jahr. Bleibt die Stromerhöhung bei derzeit 8% pro Jahr beträgt der Strompreis nach 20 Jahren durchschnittlich 1,0 € pro Kilowattstunde – die Kostenersparnis fällt also jedes Jahr höher aus.

Darmstadt ist aufgrund der Sonneneinstrahlung grundsätzlich für die Produktion von Solarenergie geeignet. Und die Sonneneinstrahlung ist nur geringfügig geringer als im Rechenbeispiel Ulm (Ulm 1.032 kWh/kWp, Darmstadt 1.004 kWh/kWp).

Mein Stromverbrauch liegt mit rund 1.600 KWh / Jahr (für die ich um die 500 Euro zahle) durchaus in einem Bereich, der Einsparungen interessant macht, zumal da mein neuer Gefrierschrank noch hinzu kommt. Allerdings zahle ich (für erneuerbaren Strom) bei der Heag lediglich 23ct / KWh. Damit läge meine Ersparnis bei optimaler Aufstellung bei vielleicht 60 Euro pro Jahr.

Balkonien

Balkonien

Leider ist mein Balkon nicht verschattungsfrei. Morgens und Mittags kriegt er toll Sonne, aber die Abendsonne würde mir komplett verloren gehen. Wenn ich großzügig davon ausgehe, dass ich dadurch ca. 1/4 der Sonneneinstrahlung verliere, kann ich nur noch mit einer Ersparnis von 45€/Jahr rechnen.

Das würde bedeuten, dass ich nach 10,64 Jahren einen break even erreichen würde – nach 10,64 Jahren hätte sich meine Investition rentiert. Der Strom, den mein Solarpanel danach produziert, wäre sozusagen völlig kostenlos. Also eigentlich eine gute Vorsorge fürs Alter und auch von der Garantie des Anbieters abgedeckt:

Wir sind von der Qualität sehr überzeugt genauso wie die Hersteller der Module und der Wechselrichter. Der Wechselrichterhersteller gibt 20 Jahre Garantie auf das verwendete Produkt. Der Modulhersteller gibt 10 Jahre Garantie auf 90% und 25 Jahre Garantie auf 80% der Mindest-Leistungsangabe.

Allerdings weiß ich nicht, ob ich in 10 Jahren noch im gleichen Haus wohnen werde, ja nicht mal, ob ich noch in Darmstadt oder überhaupt in Deutschland sein werde (eher nicht). Daher ist dieses Experiment (so spannend es wäre) für mich zu den Konditionen nicht interessant. Ein break even nach 5 Jahren (egal ob über geringere Anschaffungskosten oder einen höheren Wirkungsgrad) würde ich mir gefallen lassen.

Schade.

Aber ich habe Blut geleckt und werde den Markt jetzt weiter beobachten. Denn die Solarbranche ist noch jung und ich erwarte eigentlich in den nächsten Jahren noch einige bahnbrechende Verbesserungen. Vielleicht gibt es sogar aus China günstigere Produkte – ich werde mal meine chinesischen Kontakte befragen.

Aber auch das Solarheld-Produkt kann sehr interessant sein. Wenn jemand einen Aufstellort ohne Verschattung hat, einen höheren Strompreis zahlt oder seine Lebensplanung langfristiger als ich macht. Und natürlich für alle, die ein solches Investment Steuer-mindernd einsetzen können. Oder gleich alles drei – damit würde ein break even schon nach zwei Jahren möglich sein. Mal eine hypothetische (stark simplifizierte & gerundete) best case Beispielrechnung:

Annahme: Selbstständige Tätigkeit mit Möglichkeit zur Mehrwertsteuerersparnis (-19%) -91 €
Annahme: Grenzsteuersatz 50 % für Einkommensteile über 90.000 Euro / Jahr  -213 €
Rest-Anschaffungskosten  194 €
Annahme: Strompreis von 27 Cent brutto. Einsparung /Jahr  70€
 break even  2,7 Jahre
Annahme: Anlagenlebensdauer 20 Jahre. Gewinn 17 x 70  1.190 €
 Rendite (nicht abgezinst)  ~ 600% 

Traumrendite! Das wird natürlich nur in seltenen Fällen alles zutreffen/möglich sein. Aber es zeigt, das ein solches Investment sich durchaus lohnen kann. Vor allem, wenn man eh schon viel Geld hat (der größte Hebel oben ist die steuerliche Absetzbarkeit der Anschaffungskosten) :-(.

Aber wer Ersparnisse hat, für den kann sowas das in Null-Zins Zeiten eine attraktive Anlage sein.

WindSky NGÄhnliches gibt es übrigens jetzt auch für Windkraft: Die SkyWind NG – aber noch eine Nummer teurer (2.949 €) und aufwendiger (Montage notwendig) – dafür mit nur geringfügig höherem Ertrag (lt. Anbieter rund 350 kWh/ Jahr).

Wer ein eigenes Haus besitzt, kann durch die Kombination der Technologien schon recht nahe an eine Energie-Autarkie herankommen – rein rechnerisch (ohne Berücksichtigung von Schwankungen im Bedarf & Erzeugung und einen optimalen Standort vorausgesetzt) könnte mir dafür ein Investment von 12.000 Euro ausreichen. Kein Taschengeld; aber weniger, als die meisten Menschen für ein Auto ausgeben.

 

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Siehe auch:

Eiskalt kalkuliert: Gefrierschrank kaufen

Milchmädchenwaschmaschinenrechnung