WeihnachtenOft wird das Weihnachtsfest als Bestandteil der deutschen Kultur hochgehalten und gegen (angebliche) Bedrohungen von „Fremden“ (schein-)verteidigt.

Als Christ empfinde ich den Konsum-Hype um Weihnachten als falsch, da ja Ostern der höchste christliche Feiertag sein sollte – die gesamte christlich Botschaft (und der zentrale Unterschied zum Judentum) basiert auf der Vergebung der Sünden durch die Kreuzigung Christi.

Das diesjährige Weihnachtsfest habe ich mal zum Anlass genommen, mein solides Halbwissen zu den deutschen Weihnachtstraditionen zu verbessern. Und so viel kann ich vorweg nehmen: Alle zentralen Figuren und Motive stammen aus den südost-europäischen oder nah-östlichen Raum und wurden lediglich nach Deutschland importiert. Kein deutsche Feiertag ist mehr Multikulti- und Gutmenschtum verseucht als dieses Weihnachtsfest.

Hier die schmutzigen Details:

St. Martin
Der Mann, den wir am 11. November als St. Martin verehren, wurde in Szombathely, Ungarn geboren. Seine Familien stammte aus Italien, wo er zum römischen Militärdienst eingezogen wurde. Dort wurde er aus christlichen Gründen zu einem der frühen Kriegsdienstverweigerer. Erst nach der Entlassung aus dem Militär im Alter von 36 Jahren ließ er sich taufen.

Danach lebte er asketisch und bevorzugte das Leben bei den armen Leuten in den Hütten vor der Stadtmauer dem bequemen Leben in dem Stadt. Er rebellierte in seinem Leben regelmäßig gegen kirchliche und staatliche / königliche Entscheidungen, ließ sich aber wieder auch auf Kompromisse ein.
Aufgrund seiner Vita ist der heilige Martin Schutzheiliger der Reisenden (inklusiv Migranten) und der Armen und Bettler sowie der Reiter, im weiteren Sinne auch der Flüchtlinge, Gefangenen, Abstinenzler und (aufgrund seiner Vergangenheit) auch der Soldaten. Die natürlich aufgefordert sind, seinem Beispiel zu folgen.

Haupt-Quelle:  Wikipedia

Baum und SterneDer Nikolaus

Der 6. Dezember ist dann der Tag des Nikolaus (von Myra). Myra in Lykien (heute: Demre), ist ein kleiner Ort etwa 100 km südwestlich von Antalya in der heutigen Türkei. Die Einwohner sprachen damals Griechisch. Nach übereinstimmenden Überlieferungen wurde Nikolaus zwischen 270 und 286 in Patara geboren, einer Stadt ebenfalls an der Mittelmeerküste Lykiens in der heutigen Türkei in der Provinz Antalya. Bekannt wurde er durch zahlreiche Wunder, von denen Christen, andere Religionen und Ungläubige gleichermaßen profitierten.

Haupt-Quelle: Wikipedia

Maria und Joseph
Maria und Joseph waren keine Christen, sondern Mizrachim (orientalische Juden), die im Nahen Osten lebten (aka Sepharden) (Quelle: Wikipedia). Wir heutigen Deutschen würden sie vom Aussehen vermutlich nicht als „Weiße“ wahrnehmen, sondern eher als Araber.

Obwohl Maria ein Kind erwartete, dass offensichtlich nicht von ihm war, verstieß sie ihr Mann (ein einfacher Handwerker) nicht, obwohl er nach dem Gesetzen und Regeln der damaligen Zeit das Recht dazu gehabt hätte (Mt 2,1–11). Sicher nichts, was deutsche „besorgte Bürger“ oder sog. „Männerrechtler“ heute tun oder gutheißen würden. Sie würden Joseph heute als „Gutmensch“ zu verunglimpfen versuchen.

Der Empfang in Bethlehem verlief genauso, wie es wohl auch heute passieren würde, wenn ein Mann ohne Geld mit einer schwangeren Frau in den bürgerlichen (christlichen!) Einfamilienhäusern (in Hamburg, Dresden oder Stuttgart) klingeln und um Unterschlupf bitten würde: Abweisung.

Nach der Geburt Jesu wurden sie dann zu Flüchtlingen, weil sie in Ägypten Schutz vor der Verfolgung durch Herodes suchten (Mt. 2,13). Nach aktuellem deutschen Recht wären sie dort damals jedoch nicht aufgenommen worden (keine politische Verfolgung laut Grundgesetz), sondern eiskalt abgeschoben worden. Die ägyptischen Behörden waren jedoch offensichtlich toleranter als der aktuelle deutsche (christdemokratische!) Innenminister und angesichts der damalige Sitten in der Region wurden sie wohl sogar (trotz anderer Religion) mit Gastfreundschaft empfangen.

 

Hirten

Über die Hirten, die zur Krippe eilten, wissen wir wenig. Vielleicht waren sie Juden, vielleicht (wahrscheinlicher) gehörten sie anderen arabisch-semitischen Stämmen und Religionen an (den Islam gab es ja damals noch nicht).

 

Drei Könige / Weise / Magier

Etwas mehr wissen wir über die drei Könige, oder auch Weisen / Magier  die laut Bibel aus dem „Morgenland“ kamen. Unter dieser Zeit verstand man damals das persische Gebiet des Irak, Iran bis hin nach Indien. Dort gab es lang vor dem römischen Reich hoch entwickelte Kulturen und verschieden Königreiche, die Handel von Afrika bis nach China führten und über Kenntnisse verfügten, die unsere christliche Kirche (weil unbequem) noch lang leugnen ließ.

Martin Luther verwarf die nicht aus der Bibel herzuleitende Vorstellung von drei Königen (statt einer unbekannten Zahl von Magiern beziehungsweise Weisen), weshalb im Protestantismus die Bezeichnung „Weise aus dem Morgenland“ vorherrscht.

Nach einer syrisch-aramäischen Legende waren es zwölf Magier, die nicht als Könige bezeichnet wurden. Sie kamen von Persien nach Hah, der damaligen Metropole Tur Abdins im Südosten der Türkei, heute ein kleines Dorf in der Provinz Mardin. Von hier aus sind nur drei der zwölf Magier nach Jerusalem gezogen. Vor ihrer Rückkehr nach Hause erhielten sie als Gegengeschenk ein Kleid Jesu. Jeder der zwölf Magier wollte jedoch einen Teil als Segensgegenstand besitzen. Man entschloss sich, das Kleid auf einem Feld zu verbrennen, das heute noch zur Mutter-Gottes-Kirche in Hah gehört, damit jeder von ihnen von der Asche etwas als Segen mitnehmen konnte. In der Asche fanden sich jedoch zwölf goldene Medaillons, auf denen Maria und das Kind Jesu abgebildet waren. Die Magier empfanden das als Wunder und bauten die heute noch bestehende Mutter-Gottes-Kirche in Hah.

Haupt-Quelle: Wikipedia

Heute würden diese wohl einfach als Araber angesehen werden.

 

Jesus = der ultimative Gutmensch

Definitiv war Jesus kein Weißer (sondern sah so aus wie die syrischen Flüchtlinge, die derzeit zu uns kommen) und hat sich selbst als Jude verstanden. Er hat nie eine eigene Religion oder Kirche gefordert. Aber über die Hauptfigur des Weihnachtsfestes, wird ja auch erstaunlich wenig geredet (oder gesungen).

Doch dieser Jesus dürfte den selbsternannten Verteidigern des Abendlandes wenig schmecken. Fordert er doch an zentraler Stelle (Bergpredigt):

  • „Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Mt. 5,9)
  • „wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.“ (Mt. 5,39)
  • „Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.“ (Mt. 5,40)
  • „Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“ (Mt. 5,41)
  • „Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.“ (Mt. 5,42)
  • „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ (Mt. 5,43f)

Katholische KircheDie selbsternannten Verteidiger der Weihnacht (und „besorgte Bürger“) nennen Menschen, die so etwas ernst nehmen dann abschätzig „Gutmenschen“ – ignorierend, dass dieser Jesus, dessen Geburt Weihnachten gefeiert wird, wohl der größte Gutmensch aller Zeiten war. Soweit die Weihnachtsverteidiger aus dem deutschen Osten kommen, mag diese Wissenslücke noch verzeihlich sein, doch sollten sie vielleicht mal in der Bibel lesen, bevor sie den Mund aufmachen und haltlose Behauptungen über die christlich-abendländische Tradition verbreiten. Personen aus dem Westen hingegen haben sich bewusst und Schuldhaft vom Christentum abgewendet und keinen Anspruch, seine Tradition einzufordern oder zu schützen.

Natürlich sind das unbequeme Forderungen. Auch deshalb hat das deutsche Bürgertum diesen Jesus zu einem von vielen schmückenden Beistellfiguren des Festes verkommen lassen. So wie das gesamte Weihnachts-Fest über die Zeit völlig verbogen wurde:

  1. Es begann mit dem Datum. Über den Tag der Geburt Jesu gibt es viele Spekulationen – die Bibel selbst sagt dazu gar nichts. Aus der Verschmelzung mit der nordeuropäischen, heidnischen Wintersonnenwende, damals das höchste und wichtigste Fest zur Verehrung der nordischen Götter, entstand einer Verschmelzung christlich-jüdischer und heidnischer Traditionen, die so war erfolgreich, das der Termin von Mitteleuropa aus seinen Siegeszug um die Welt antrat.
  2. Dann die Symbolik: Die materielle Armut des Gotteskindes und seiner Eltern taugte wenig für die nach Prunk und unchristlichem materiellem Reichtum strebenden Könige, Kirchen und Bürger des Mittelalters. Ein gänzlich unchristlicher Symbol-Kult um Schnee, Tannenbäume und Kerzen brachte für die Vermarktung den nötigen Prunk und Glamour und hat (ebenfalls vom Mitteleuropa aus) – und völlig inhaltsbefreit – seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Im Palestina sind (damals wie heute) Schnee, Glöckchen und (Wachs-)Kerzen weitgehend unbekannt. Und auch Nadelbäume gehören dort nicht zur typischen Vegetation. Ein Olivenbaum wäre ein angemesseneres Symbol für die Geburt Christi. Trotzdem wird heute sogar nach Bethlehem ein riesiger Tannenbaum importiert, um die Erwartungen der angereisten „Christen“ zu erfüllen. Und die „christlichen“ Nationen füttern den Nahost-Konflikt mit direkten und indirekten Waffenexporten. Weil das Arbeitsplätze sichert.
  3. Es folgte als Nächstes die KommerziWeihnachts-Kitschalisierung. Da die Original-Geschichte der Bibel kommerziell wenig ergiebig war, wurde die Geschenk-Logik (Gott schenkt der Welt seinen Sohn, Hirten, Könige beschenken Jesus) verdreht zu „Jesus-Kind beschenkt Menschen“ mit allerlei materiellem Plunder (statt der Sündenvergebung). Die Ökonomie triumphiert hier über den Glauben. Der Mammon siegt.
  4. Weil aber (die nur noch in wenigen Regionen praktizierte) Behauptung, das ein Neugeborenes („Christkind“) weltweit Geschenkpakete verteilt, nicht nur Erwachsenen, sondern auch Kindern unlogisch. Die christlichen Kirchen hatten mit solchen Widersprüchen (Jungfrauengeburt, Wiederauferstehung) wenig Probleme. Abhilfe schafften zwei Kirchen des Kapitalismus (Aktiengesellschaften): der US-amerikanische Coca Cola Konzern schuf aus der Kombination des St. Nikolaus mit nordischen Rentieren die Figur des Weihnachtsmannes, der in der Weihnachtsnacht mit einem fliegenden Schlitten weltweit Geschenke verteilt (auch das physikalisch eine Unmöglichkeit, aber immerhin für simple Gemüter vorstellbarer, als das es ein Neugeborenes es tut). Der (ebenfalls US-amerikanische) Disney Konzern verhalt dieser Vorstellung mit seinen Filmen zu weltweiten Durchbruch.
  5. Letzte Verdrehung der Tradition erfolgt heute kulinarisch. Statt der Armut vom Maria, Joseph und Jesus zu gedenken, füllen sich wohlgenährte deutsche Nordmenschen ab Anfang Dezember die Wampen mit Glühwein (immer häufiger folkloristisch kombiniert mit Schlägerei und/oder Alkoholfahrt) und Würsten, um dann zum Fest fette Braten nachzuschieben. Die jüdisch-christliche Familie der Weihnachtsnacht dürfte sich dagegen überwiegend Fleisch-los ernährt haben – wenn sie nicht gerade hungern mussten. Aber eine Aufforderung zu vegetarischer(er) Ernährung würde in Deutschland unweigerlich einen Shitstorm von Hetzpresse und besorgten Bürgern nach sich ziehen.
    Auch heute noch hungert ein großer Teil der Weltbevölkerung, während sich die Christen anlässlich der Geburt des Heilands hemmungslos den Bauch voll schlagen. Was er wohl dazu sagen würde?

Das Weihnachtsfest, wie es heute inszenierte wird, hat praktisch nichts mehr mit seinem christlichen Hintergrund zu tun, sondern ist mehr eine Mischung von heidnisch-kapitalistischer Götzenverehrung und Selbstbeweihräucherung. Dieses Weihnachtsfest sollten ernsthafte Christen ablehnen und nicht noch mit Geld und romantischer Verklärung unterstützen. Damit will ich nicht den Kindern den Spaß nehmen – aber ernsthafte Christen sollten so ehrlich sein und eingestehen, dass zum Beispiel ein „Weihnachtsmarkt“ nichts, aber auch gar nichts, mit der christlichen Lehre zu tun hat, sondern halt einfach ein Wintermarkt ist.

Wer aber tatsächlich die gesamte weihnachtliche Tradition pflegen will, der sollte auch ehrlich genug sein, die nahöstlich-griechisch-türkische Multi-Kulti Tradition dieses Festes einzugestehen und willkommen zu heißen. Jene Tradition, ohne die übrigens auch der Islam gar nicht denkbar wäre. Und inklusive der radikalen, uns sicher immer noch und immer wieder völlig überfordernden Wünsche dessen, der da gefeiert wird. Aber: Weihnachten zu feiern und andere als Gutmenschen beschimpfen, ist einfach nur verlogen.

 

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