Una Milonga de Tango Argentino

Una Milonga de Tango Argentino

Wer sich erstmalig mit dem Tango Argentino beschäftigt, wird schnell mit vielen neuen Begriffen konfrontiert und mag schnell verwirrt sein. Das liegt natürlich auch daran, dass er oder sie sich in eine neue Welt begibt – mit einer eigenen Sprache, einer eigene Kultur und eigenen Regeln. Es liegt aber auch daran, dass diese Welt selbst ein hohes Maß an begrifflicher Unschärfe erträgt, pflegt, ja, ich würde sogar sagen: kultiviert.

Das fängt schon bei dem Namen an:

Tango Argentino

steht für

  1. Eine Musikrichtung
  2. Einen Tanzstil

Nun könnte man meinen, beides korrespondiert in gewisser Weise. Zu Tango Argentino (Musik) tanzt man eben Tango Argentino (Tanz). So wie man zu ChaChaCha eben ChaChaCha tanzt, zu Salsa Salsa und zu Wiener Walzer Wiener Walzer. Leider ist das beim Tango nicht so einfach.

Denn es gibt nicht wenige Tango Stücke, die gar nicht dazu gedacht sind, dass dazu getanzt wird.  Ja, ich habe es bisher nicht einmal geschafft, eine musikalische Definition zu finden, die Tango Argentino von anderen Musikrichtungen abgrenzt. Natürlich wird jeder halbwegs Kundige eine Tango sofort als einen Tango identifizieren können. Aber woran? Das konnte mir bisher noch niemand erklären. Mag sein, dass es eine Definitionn gibt, aber trotz Suche hab ich bisher keine gefunden. Die wikipedia zum Beispiel definiert Tango ausschließlich aus seiner historischen, regionalen und kulturellen Herkunft.

Und auch vom Tanz her ist die Verbindung alles andere als klar. Denn während natürlich viele Menschen zu Tango Argentino Tango Argentino tanzen (wenig überraschend), gibt es eine riesige und wachsende Szene, die Tango Argentino zu beliebigen Musikrichtungen tanzt. Den Walzer haben sie schon gleich nach der Entstehung des Tanzes für sich vereinnahmt und unter dem Namen Vals(e) zum festen Bestandteil der Tango Kultur gemacht. Auf jeder klassischen Tango Tanzveranstaltung gehören dem Walzer fest definiert 1/6 der Tänze. Und auch die weniger klassisch-orientierten Tango Tänzer schätzen die Vals meistens sehr.

Ähnlich haben Tango Tänzer schon sehr früh entdeckt, dass man Tango Argentino (mehr oder weniger einfach) auch auf fast alle anderen Musikstile tanzen kann. Nicht nur zu den klassischen Paartanz-Stilen, sondern auch zu Musik wie Pop, Blues, Rock, ja sogar zu Rap und Jazz  und anderen Musikrichtungen (zusammen gefaßt unter dem Begriff „Non-Tangos“), die nicht nur der klassische Tanzschullehrer ohne Zögern „untanzbar“ nennen würde. Und es gibt eine wachsende Szene von TänzerInnen, DJs und Veranstaltungen die diese Möglichkeiten erkunden – entweder gemischt mit klassischem Tango (in Darmstadt: Milonga „Tango Harmónico“, in Frankfurt: Tango Cafe am Zoo) oder in Reinkultur (in Darmstadt: Tango Mob, in Frankfurt: iLonga). Natürlich hängt das damit zusammen, dass der Tango Argentino ein Improvisationstanz ist, der wenig fest definierte Bewegungsabläufe hat (auch wenn das oft anders gelehrt wird). Aber das ist ein hier zu weit führendes Thema. Bleiben wir bei den Unschärfen.

Der Begriff: Tango

Scent of a Womann – Por Una Cabeza (Tango-Szene)

… und er hat nicht „darlling“ gesagt, sondern „Donna“.

„Tango“ als Tanz ist auch nicht automatisch „Tango Argentino“. Zur Tango Musik hat sich (ungefähr in den 30er Jahren d.l.J.) in Europa eine Tanzrichtung  entwickelt, die anschließend in den klassischen Tanzschulen (an denen auch Standard-Tanz unterrichtet wird) unterrichtet und verfeinert wurde: Der Euro Tango. Kurz: Tango.

Obwohl beide Richtungen zur gleichen Musik tanzen und normalsterbliche Zuschauer beides vermutlich nicht auseinander halten könnten, sind sie kaum kompatibel: Schon die Tanzhaltung ist komplett gegensätzlich. Und während der Euro Tango feste Figuren lehrt, praktiziert und perfektioniert (bis hin zu Weltmeisterschaften), ist beim Tango Argentino die völlige Improvisation zur Musik und das kommunikative Spiel der Tanzenden die höchste Kunst. Merke also: Tango also nicht unbedingt gleich Tango.

Und um die begriffliche Verwirrung noch weiter zu führen: „Tango“ ist nicht nur eine Musikrichtung und ein Tanzstil, sondern auch noch der Name für eine Untergliederung der Tango-Musikstücke. Der Tango Argentino Tanzende unterscheidet zwischen drei Arten von Musik-Stücken: Den Vals(e) (3/4 Takt s.o.), den Milongas (ab ca. 110 BpM – Beats per Minute) und eben den Tango (weniger als ca. 110 BpM).  Während Vals und Milonga auf klassischen Tanzveranstaltungen je 1/6 der Musik ausmachen, gehören dem „Tango“ die restlichen 4/6.

Milonga?

Noch nicht verwirrt genug? Nun, „Milonga“ hat insgesamt sogar fünf Bedeutungen:

  • Die o.g. Tanzveranstaltungen, auf denen dann zu Tangos, Milongas und Vals getanzt werden, werden ebenfalls „Milongas“ genannt
  • Die Tanzlokale in denen diese Milongas stattfinden, werden – zumindest in Argentinien – ebenfalls „Milongas“ genannt
  • Milonga ist eine Unterrichtung der Tango-Musik (s.o.)
  • und natürlich haben sich dazu auch eigener Tanzstile entwickelt, die ebenfalls „Milonga“ genannt werden
  • Etymologisch und umgangssprachlich bedeutet Milonga „Gerede“ (oder Lug und Trug):

Das Wort milonga [entstammt] der südwestafrikanischen Bantu-Sprache Kimbundu und ist der Plural von mulonga „Gerede“. Ganz in diesem ursprünglichen Sinne bedeutet milongas (pluralisch gebraucht) im heutigen Umgangsspanisch noch „Lug und Trug“.

Quelle: Wikipedia

Teekesselchen

Teekessel

Soweit zu den Teekesselchen im Tango. Verwirrt? Was das mit Teekesseln zu tun hat? Nun „Teekesselchen“ ist ein ganz altes Spiel aus meiner Jugend. Bei dem es genau um sowas geht. Und der Tango eine gute Gelegenheit, hier Traditionspflege zu betreiben. Hoffe damit, zur Unterhaltung und Erleuchtung beigetragen zu haben.

 

 

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