Archiv der Kategorie Geschichte

Hexenjagd

Arthur Mitter: HexenjagdZum Premiere hatte ich es vergeblich versucht, zur letzten Aufführung habe ich es vorgestern dann gerade noch geschafft: Arthur Miller „Hexenjagd“ im Theater Moller Haus.

Fangen wir mit den schlechten Seiten des Abends an:

  • Leute, die nur ins Theater gehen, weil sie Bekannte der Leute sind, die auf der Bühne stehen und das ausreichend laut kundtun, können dem künstlerischen Anspruch und dem Stück ernsthaften Schaden zufügen. Leute: Wenn ihr schon Kulturbanausen seid, tut uns einen Gefallen: Haltet das Maul. Ein Theaterstück ist kein DSDS.
  • Zuschauer, die auch nach der Pause ihre unglaublich bedeutenden Gespräche noch unbedingt minutenlang fortsetzen müssen, obwohl auf der Bühne das Stück längst weitergeht. Peinlich. Respektlos. Daneben.

Los ging das Stück für mich dann ebenfalls mit gemischten Gefühlen: In der ersten Szene des Stückes ist da dieser Darsteller in studentischer Alltagskleidung (dunkle Jeans, blaues, über die Hose getragenes Hemd). Bei einem Stück, dass im Jahr 1692 spielt. In einer christlichen Gemeinde. Und er spielt den Pfarrer. Stirnrunzeln bei mir. Ich beginne im Kopf einen Verriss zu formulieren.

Doch nach und nach wendet sich der Eindruck – nicht nur dadurch, dass er sich beim Verlassen des Hauses eine Weste überzieht. Denn er spielt die Rolle des ortsfremden Pfarrers, der mühsam um Einfluss und Akzeptanz (und Privilegien) ringt, immer überzeugender. Und die Kleidung der nach und nach hinzukommenden Personen ist so dezent zwischen Historie und Gegenwart gewählt, dass sich bei mir der Verdacht einstellt, dass es sich hier um einen absichtlichen Brückenschlag zwischen damals und heute handelt. Einer, der die Distanz, die aus offensichtlicher Kostümierung entspringen würde, überwinden soll, ohne das Stück in die Gegenwart zu transplantieren. Den Rest des Eintrags lesen. »

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Georg Büchner per Denkmal entsorgen?

Ludwig iV. in DarmstadtDer (Nicht-ganz-)Darmstädter (nicht-)Historiker S. Peter Brunner (Update 10.1.2016 – siehe seinen Kommentar) deckt in seinem Blog Neues aus Buechnerland einen Skandal auf: Für den hessischen Provinz-Dichter Ernst Elias Niebergall (1815 – 1843) gibt es in Darmstadt inzwischen drei Denkmäler. Für den weltweit geachteten und gespielten Literaten (und Revoluzzer) Georg Büchner dagegen kein einziges.

Soeben hat man in Darmstadt ein weiteres Denkmal für Niebergall enthüllt. Professor Thomas Duttenhöfer hat eine lebensgroße Plastik geschaffen, die wohl eher Datterich als Niebergall darstellt – es ist Darmstädter Allgemeingut, dass Niebergall als einigermaßen verkrachte Existenz selbst durchaus zu Recht in seiner Figur erkannt wird. […]

„Liebe Frooinde“, wie Datterich sagen würde, „en Momend emol“: von mir aus kann für Niebergall, dem bereits mit dem „Niebergall-Brunnen“ von 1930 und einer Datterich-„Installation“, die heute kein Brunnen mehr ist, gedacht wird, noch ein viertes und ein fünftes Denkmal aufgestellt werden […]  da halte ich es wie mit dem Fußballstadion – Mehrheiten wollen bedient werden. […]

Georg Büchners Gedenken überfordert dagegen wohl seine kleine Stadt.

Welch eine Überraschung! Da muss man dringend etwas gegen tun! Fordert Brunner:

[…] so lange nicht Georg Büchner auf dem schönsten Denkmal Darmstadts steht – so lange kann Georg Büchners Anerkennung nicht als gesichert gelten.

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Drama in drei Akten: Wenn der Döpfner in Darmstadt den Datterich…

1. Akt: Einführung & Vorspiel

 

Für alle werten LeserInnen, die außerhalb der Bundesligastadt Darmstadt zu Hause sind: Der „Datterich“ ist eine Darmstädter Lokalposse von Ernst Elias Niebergall aus dem Jahr 1841 in südhessischer Mundart. Die Posse ist bis heute ein bedeutender Teil der Darmstädter Identität.

Das Stück ist die Geschichte des „genialen Schnorrers“ Datterich, eines entlassenen, versoffenen Finanzbeamten. Der „Datterich“ ist charakterisiert als der „typische“ Darmstädter: Vorlaut, schlitzohrig, immer auf seinen Vorteil bedacht. Ein Kernsatz:

„Bezahle, wenn mer Geld hat, des is kah Kunst, aber bezahle, wenn mer kahns hat, des is e Kunst….“

(Quelle: Wikipedia)

Theaterprojekt: Schulden. Eine Befreiung!

Bild-Quelle: Theaterprojekt: »Schulden. Eine Befreiung!«

Für alle werten LeserInnen, die wenig über die Stadtgrenzen Darmstadts hinausschauen / hinausdenken: Mathias Oliver Christian Döpfner (* 15. Januar 1963 in Bonn) ist als Vorstandsvorsitzender des deutschen Medienunternehmens Axel Springer SE der Herausgeber einer Publikation, die seit einigen Jahren ständig und ausdauernd gegen „die Griechen“ hetzt, weil die Oberschicht des Landes genau das getan hat, was der Datterich zu seinem Lebensmotto erhoben hat: Geld auszugeben, dass sie nicht haben. Die „BILD“ genannte Publikation verfälscht zu diesem Zweck gern auch Tatsachen und verdreht Fakten und torpediert mit dem Aufbau und der Pflege von Vorurteilen die Völkerverständigung (hier: ein furchtbares Beispiel, wie sich die Bild-Hetze im Alltag n Deutschland auswirkt). Herr Döpfner verdient u.a. mit dieser Hetze jedes Jahr einige Millionen Euro.

Damit wären die Hauptpersonen des Dramas vorgestellt. Nun müssen sie noch zusammen kommen. Und das ging so:

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Wie verfassungstreu ist der (niedersächsische) Verfassungsschutz?

Spätestens seit der NSU Affäre ist das Handeln des Verfassungsschutzes in Deutschland ja leider ins Zwielicht geraten.  Der weihnachtliche Besuch in meiner Heimat hat mich auf einen weiteren Skandal aufmerksam gemacht, der damit verbunden ist, aber auch erinnerungen aus meiner eigenen Vergangenheit hervorruft. Das Göttinger Tageblatt hat im weihnachtlichen Jahresrückblick einen Nachdruck des folgenden Artikel aus dem April veröffentlicht:

Richter zweifelt wegen Verfassungsschutz am Rechtstaat

Reprint des Artikels vom März 2014 im GT

Die Geschichte hat es (warum auch immer) nicht in die (von mir gelesene) überregionale Presse geschafft, obwohl ich sie seh bemerkenswert finde. Der Artikel aus dem Tageblatt aus Gründen des Urheberrechtes hier nur als unlesbare Faksimile (alle Details im Original-Artikel sowie im Weser-Kurier, hier, hier, hier und hier).  Grob zusammengefasst:

Im malerischen Hann. Münden (in dem ich zur Schule gegangen bin) hat ein bundesweit bekannter und vorbestrafter Neo-Nazi namens „Michael von Dolsperg“ (früher: Michael See) für den niedersächsischen Verfassungsschutz als Informant gearbeitet. Insoweit nichts Neues und Überraschendes. Interessant ist, was er mit unseren Steuergeldern und seiner Zeit anfing:

  • Er hat eine antisemitische Hetzschrift gegründet und bundesweit verbreitet
  • Er hat den Richter und Direktor des Amtsgerichts Hann. Münden, Wilfried Kraft, persönlich bedroht. Was von der Polizei immerhin für so gefährlich gehalten wurde, dass der Richter Polizeischutz gewährt bekam.

Es sei für seine Familie eine schlimme Zeit gewesen, sagt Wilfried Kraft heute:

„Zwei Tage lang stand vor unserem Haus ein Polizeibus, zwei Tage lang patrouillierten Polizisten mit Maschinenpistolen.“

Es ist kaum anzunehmen, dass der Verfassungsschutz davon nichts wusste – und trotzdem ist er weder eingeschritten, noch hat er sich später dafür entschuldigt, dass einer seiner Mitarbeiter einen slochen Anschlag auf das Rechtssystem der Bundesrepublik Deutschland verübt hat (nichts anderes ist die Einschüchterung eines Richters) und er mit Steuergeldern antisemitische Propaganda erst möglich gemacht hat. Im Gegenteil: Unmittelbar nach dem Auffliegen des NSU haben Mitarbeiter des „Verfassungsschutzes“ die Akten des V-Mannes geschreddert. Keine dieser offensichtlich rechtswidrigen Aktionen des niedersächsischen Verfassungsschutzes hatte bisher dienst-rechtliche, disziplinarische oder gar politische Konsequenzen.

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11. September in Darmstadt – die Debatte tobt

Kunstaktion durmstädter BrandnamenHeute jährt sich die Darmstädter Brandnacht zum 70sten Mal. Und in Darmstadt gibt es eine heiße Debatte über den richtigen Umgang damit. Sollte man an das Ereignis erinnern? Darf man der Opfer gedenken? Was lernen wir daraus?

Zentrum der Kontroverse ist die Kunstaktion Durmstädter Brandnamen, die das Leid der Opfer ent-tabuisieren (und zum Nachdenken über Gewalt und Krieg anregen) möchte, ohne die Verbrechen der Nazis zu verharmlosen. Dieser Ansatz hat zahlreiche Kritiken und Kritiker hervorgerufen. Nicht unwesentlich  bin ich daran mit meiner Rezension und (wichtiger!) meiner Kritik beteiligt.

Dafür habe ich vom Künstler eine gepfefferte Kritik erhalten, die meine Position jedoch falsch darstellt und auf Vorwürfe antwortet, die ich so gar nicht erhebe. Ein Verteidigungs-Reflex? Ich werde antworten (habe das aber bisher nicht geschafft).

 

Eingebettet (und kaum davon zu trennen) ist die Diskussion natürlich in die (bundesweite) Bomber-Harris Debatte – auch wenn es dabei nicht um das Leid geht, sondern um die Bewertung der Bomben auf deutsche Städte im Allgemeinen.

Bomber Harris Tweet

In diesem Kontext ist wohl auch die Reaktion des AStA der TU Darmstadt zu sehen, der die Kunstaktion scharf angreift:

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1944: Wurden doitsche Täter zu deutschen Opfern?

Antwort auf die Kunstaktion „Durmstädter Brandnamen“.

Öffentlicher Boykott gegen jüdische Geschäftsleute, 1933

Öffentlicher Boykott gegen jüdische Geschäftsleute, 1933

Als am 11. September 1944 Bomben auf Darmstadt fielen, war die Stadt doitsch. Nicht Deutsch, im Sinne Goethes, Lessings, Büchners, … sondern doitsch im Sinne Hitlers, Göbbels, Görings .. . Die Doitschen hatte alle Anderen vertrieben, fortgeschafft oder ermordet: Alle, die jüdische Wurzeln hatten, alle die Anarchisten waren, oder Kommunisten, oder Sozialisten, oder Sozialdemokraten. Alle die offen homosexuell waren. Fast alle, die aus dem Ausland stammten. Alle, die – wie Sinti und Roma – auf der Wanderschaft waren. Alle, die das Christentum ernst genommen hatten. Alle Obdachlosen, alle psychisch Kranken, viele Behinderte, alle Unangepassten. Und ein paar, die ihren Nächsten einfach nur im Weg waren.

Alle vertreiben, fortgeschafft oder (zum Teil bestialisch) ermordet.

Was übrig blieb, war nicht mehr das historisch gewachsene Darmstadt, sondern eine nach nationalsozialistischen Idealvorstellungen durchwurstete Stadt. Nicht Darm, sondern weiter unten im Verdauungstrakt, ein Ort an dem nichts „anderes“ mehr heraus pressen lässt. Ich würde dieses Rest-Darmstadt von 1944 als Afterstadt bezeichnen.

Die Menschen, die noch hier leben durften, wussten alle, was geschehen war. Diese Dinge waren nicht unbemerkt geschehen. Viele wurden von Geschrei und Hetze und Feuer begleitet. Andere geschahen stiller, aber sie waren natürlich auch bemerkt worden und man hatte darüber geredet, getuschelt oder geflüstert.

Nicht wenige Afterstädter waren selbst aktive Nazis, unterstützen die Organisationen der Verbrecher durch Mitwirkung oder Mitgliedschaft. Viele hatten bei Wahlen für die NSDAP gestimmt, ihr zugejubelt, ihre Verbrechen (vor anderen oder sich selbst) gerechtfertigt oder entschuldigt. Den Opfern die Schuld gegeben. Die meisten waren auf jeden Fall dabei, haben zugesehen und nichts getan. Vielleicht „hemmungsvoll dabei“, wie das Heinz Rudolf Kunze (allerdings über die 80er Jahre) mal sehr schön formulierte. Andere haben richtig abgesahnt, weil ihnen der Besitz der Nazi-Opfer zufiel.

Und erst der Krieg. Viele haben von der Rüstungsproduktion profitiert, vom Aufbau der Kriegsinfrastruktur, vom Panzerbau, der Bombenproduktion. Wie viele haben gejubelt, als Polen in wenigen Tagen fiel? Als Dänemark, Norwegen, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, der Großteil Frankreichs, Jugoslawien und Griechenland erobert und besetzt wurden? Als die ersten Bomben auf englische Städte fielen? Die doitschen Wochenschauen haben das ja durchaus immer wieder (von oben) gezeigt.

Judenboykott in DeutschlandIch will hier nicht moralisieren. Ich wäre damals vermutlich genauso dabei gewesen – wäre vermutlich gar nicht anders gewesen. Froh, dass es mich nicht erwischt hat, dass ich zu den Glücklichen gehöre, die durchs Raster der Nazi-Auslese gefallen waren.

Dennoch haben die Afterstädter gewusst – tief innen drin – dass sie Schuld auf sich laden. Manche bewusst, manche unbewusst, viele es bewusst verdrängend. Vielfache Schuld. Unendliche Schuld.

Solange der Krieg gut lief, ließ sich das auch gut verdrängen. Doch je näher der Krieg kam, desto weniger funktionierte das. Die Leute waren ja nicht naiv oder hatten gar vergessen. Ihr eigener  Krieg kam nun nach Hause! In der Brandnacht wussten die Afterstädter sehr gut, wie sie von oben – aus den Flugzeugen heraus – aussahen. Die Wochenschauen hatten ihnen diese Bilder ja lange genug eingebrannt. Was neu war: Die Perspektive derer unten am Boden.

Ich will damit keinesfalls sagen, dass die Afterstädter den Tod verdient hätten. Niemand verdient den Tod, der Tod macht nichts ungeschehen und so mancher wäre vielleicht gerechter bestraft, wenn er unsterblich mit seiner Schuld leben müsste.

Aber man kann nicht das Leid und den Tod aus seinem historischen Zusammenhängen herausreißen und Singulär betrachten. Die Darmstädter Brandnacht ist untrennbar eng verknüpft mit dem, was in den Jahren zuvor passierte. Vermutlich weniger im Bewusstsein der Besatzungen der Flieger, die die Bomben abwarfen (obwohl sicher nicht wenige von Ihnen in diesem Krieg selbst nahestehende Menschen verloren hatten), als vielmehr im (Unter-)Bewusstsein derer, die unten auf der Erde um ihr Leben zitterten.

Ja, diese Bomben haben unsägliches Leid und unschuldigen Tod verursacht. Es gab niemanden, der – anders als in Sodom und Gomorra – vor dem Angriff die Unschuldigen aus der Stadt führen konnte. Und ja, diejenigen, der den Angriff befohlen, geplant, durchgeführt haben, haben Schuld auf sich geladen. Und vielleicht leiden manche bis heute darunter. Wer weiß das schon?

AFrontstadt Frankfurtber die Darmstädter Brandnacht war ein kriegerischer Akt im völligen Einklang mit der Logik dieser Zeit. Einer Logik, die damals auch die meisten Deutschen teilten. Gewalt erzeugte Hass, der wieder zu Gewalt führt. Eine Nation gegen die andere. Schuld führt zu Vergeltung. Vergeltung führt zu neuer Schuld. Das alt-testamentarische Auge um Auge, Zahn um Zahn, auf die nationale Ebene gehoben. So war diese Welt. Damals.

Erstaunlich dagegen war, was nach dem Krieg in Darmstadt (und auch anderswo in Deutschland) passierte: Das Leid, das Grauen führte (ungewöhnlich für diese Zeit!) nicht zu neuem Hass und nicht zu neuem Drang nach Vergeltung.

Das wird viele Gründe gehabt haben. Einer war vielleicht eine unendliche Erleichterung der Überlebenden, sowohl den Nazi-Terror, als auch den Schrecken des Krieges überstanden zu haben. Aber ich bin sicher, dass auch die eigenen Schuldgefühle eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben. Ich behaupte:

Gerade auch für die extrem betroffenen Darmstädter, die einen furchtbaren Preis für die Welteroberungspläne der Nazis gezahlt haben, war die Brandnacht so etwas wie eine Kartharsis – ein Leid und ein Schrecken, der ihnen erlaubte, sich von der gesamten Logik der Vergangenheit (inklusiv der eigenen Schuld) emotional zu trennen.

Das mag ungerecht klingen, wie eine billige Ausflucht aus der eigenen Schuld. Aber es ist eben auch ein Bruch in der historischen Kontinuität, ein echter Fortschritt. Ein neuer Anfang.

Durmstädter Brandnamen jedoch löst die Brandnacht aus ihrem historischen Kontext und betrachtet es als singuläres Ereignis mit der Brille unserer heutigen (weit verbreitet: humanistischen) Weltsicht. Mit unvermeidlichem Ergebnis: Das war (aus heutiger Sicht) unnötig, unangemessen, überzogen… die Menschen hätten nicht sterben müssen – so viel Leid hätte erspart bleiben können.

Deshalb finde ich die Aktion methodisch falsch. Mehr noch: Es ist nicht Das Grauen der Judenvernichtungauszuschließen, dass sie (auch) Schaden anrichtet. Trotz der humanistischen Absichten des Künstlers. Auch das liegt an der Methode. Klassische (politische) Kunst funktioniert nach einem Encoding-Decoding-Modell: Die KünstlerIn hat eine Botschaft, die sie in eine Methode/Darstellungsform verpackt (encoding), die Konsumenten versuchen die Botschaft zu verstehen (decoding) – oft mit Unterstützung von Titeln, Begleit-Texten oder Führungen. Damit konnte sich ein Künstler – zumindest im gewissen Rahmen – gegen Fehlinterpretationen absichern.

In vielen neueren Denk- und Kunst(theorie)richtungen (Postmoderne, Fluxus, et.al.) jedoch kommuniziert die KünstlerIn keine klare Aussage, sondern will die Konsumenten anregen und ihnen überlassen, was sie aus dem Kunstwerk machen. So auch die Durmstädter Brandnamen.

Das ist cool – solange unser Hirn keine bekannten Muster erkennt.

Denn unser Hirn ist verdammt faul. Irritation und Ungewöhnliches beunruhigen es und bringen es zum Nachdenken. Doch wann immer es bekannte Muster erkennt, lehnt es sich zurück und hangelt sich gemütlich an diesem Mustern entlang.

Genau das erlauben die Durmstädter Brandnamen: Nach erster Irritation über den Namen der Aktion und des Künstlers, wird so manches Hirn bekannte Muster erkennen. Muster, die schlimmstenfalls die Dresden-Diskussion der Nazis angelegt hat, oder solche, die aus den oben beschriebenen Auge-um-Auge Reflexen des Nationalismus entstammen.

Einfacher Beleg dafür, dass das so funktioniert, sind die persönlichen Angriffe auf Louise Bostanian. Dass das bei der – sicher intellektuell nicht überlegenen – Hauptzielgruppe der Neonazi-Propaganda genauso passiert, davon ist leider auszugehen. Solche Menschen werden durch diese Aktion sicher nicht neue Perspektiven entwickeln – sondern wahrscheinlicher in ihrem Hass bestärkt.

Natürlich ist das Spekulation. Die Wege des Herrn sind oft unergründlich. Aber so wohlwollend und humanistisch die Ziele von Louise Bostanian auch sein mögen: Ich hätte diese Methode nicht gewählt.

Doch ich bin nicht Louise Bostanian. Ich kann seine Methode nicht ändern. Soll ich ihn deswegen persönlich angreifen? Beschimpfen? Und: Was für ein charakterloses Weichei wäre er, wenn er darauf hin seine Methode ändern würde?

Nein, wir Außenstehenden können nur durch einen öffentlichen Diskurs Einfluss nehmen. Offene (und sachliche) Analyse und Kritik kann nicht nur das künstlerische Vorgehen von Louise Bostanian beeinflussen (seine Absichten seien nicht in Stein gemeisselt, versichert er mir), sondern auch eine politische Wirkung haben: Die öffentliche Diskussion  kann die Kunstaktion in einen größeren Kontext setzen, als den von Schuld und Leid. Es kann auch die Argumentation der Nazis zum Thema machen und entlarven. Zumal Louise Bostanian eben keine Nazi-Argumente anführen wird.

Ja, ich sehe sogar das Potential, den Ansatz zu erweitern und die Darmstädter Brandnacht zum Anlass zu nehmen, viele Themen rund um Kriege – wie etwa den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, die Bombardierung von Bagdad oder serbischen Städten oder auch Waffenexporte – zu thematisieren. Denn der allgemeine Diskurs, den die Durmstädter Brandnamen eröffnen, ist tatsächlich sehr offen.

Wenn wir nicht vorgegebene Denkmuster und Feindbilder verfallen.

Ich hoffe, damit den ersten Schritt getan zu haben.

Die Antwort auf diesen Beitrag von Louise Bostanian

Zusammenfassung der bisherigen Diskussion: 11. September in Darmstadt – die Debatte tobt

 

 Weitere Diskussionsbeiträge verlinke ich hier gern.

 

Beschriebung des Projektes „Durmstädter Brandnamen“

Webseite Durmstädter Brandnamen

Visualisierung der historischen Totenliste der ›Brandnacht‹

 

 Bildnachweis: Das Bildmaterial stammt aus den Büchern:

  •  Faschismus – Renzo Vespignani, Elefanten Press bei Zweitausendeins
  • Konzentrationslager Dokument F 321, Zweitausendeins

 

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Durmstädter Brandnamen

Vor einiger Zeit bin ich auf ein seltsames und irritierendes Projekt gestoßen: Titel „Durmstädter Brandnamen“. Brandnacht sagte mir ja etwas. Aber: Durmstädter? Meinen die Darmstadt damit?  Und der Name des Veranstalters: Louise Bostanian – das klingt so gar nicht, als wären die von hier. Klingt nach USA (Boston). Fremd.

Bomben auf DarmstadtAlso so ganz nach meinem Geschmack. Und nachdem ich mich durch die künstliche Umständlichkeit der Projekt-Beschreibung und ihre akademischen Wortgebilde gearbeitet und sie gedanklich entwirrt hatte, hatte ich folgendes Verstanden:

Es handelt sich um eine Kunstprojekt auf historischer Grundlage und mit politischen Implikationen. Der Künstler Louise Bostanian – gleichzeitig geborener Darmstädter und doch kein typischer Hesse – will die Namen der Menschen zu Papier bringen, die die Darmstädter Brandnacht erlebten oder nicht überlebten. Zu Papier bringen heißt: Eine kaligraphische Niederschrift aller Namen die er in Erfahrung bringen kann – auf einer riesigen Rolle Papier oder Pergament.

„Darmstädter Brandnacht“ ist der Name für das Flächenbombardement der Darmstädter Innenstadt am Ende des 2. Weltkrieges, bei dem am 11. September 1944 ungefähr 11.500 DarmstädterInnen starben und große Teile der Innenstadt zerstört wurden. Die beiden oberirdischen Luftschutzbunker auf der Knell sind stumme Zeugen und Mahnmale an den Schrecken der Bombardements des zweiten Weltkrieges.

Brennendes DArmstadtSo klar mir nun auch das „Was“ war, dem „Warum“ – warum dieses eine historische Ereignis, warum das Aufschreiben der Namen, warum jetzt- war ich nicht nähergekommen. Insbesondere vor dem Hintergrund von aktuellen Bemühungen rechter Kreise, durch Betonung der Opfer des zweiten Weltkrieges in Deutschland die Verbrechen der Nazis zu relativieren und neue nationale Feindbilder aufzubauen, schien mir das Projekt und insbesondere die Verwendung des Begriffes „Mord“ zumindest unangemessen, wenn nicht sogar falsch. Und kritisierte das in deutlichen Worten.

Das war damals als abschießendes Statement gemeint. Doch zum einen erhielt ich aus dem eigenen Freundeskreis Kritik (Tenor: Das Töten in jedem Krieg ist Mord), zum anderen gelang es Louise Bostanian mich davon zu überzeugen, das seine Absichten keineswegs in die Richtung gingen, aus der meine Bedenken kamen. Und dass er ein nachdenklicher und reflektierender Gesprächspartner ist. Was zwar meine Kritik am Projekt nicht beseitigte, aber eine Grundlage für den sich daraus entwickelnden Dialog war. Und bevor ich hier meine Kritik erneuere und – auf Basis des Erfahrenen – schärfe, möchte ich zunächst die Absichten und Ziele, die es Louise Bostanian mit dem Projekt verfolgt, möglichst verständlich darstellen.

Der Glaskubus am Güterbahnhof erinnert an die Deportation von Juden, Sinti und Roma in das Todeslager Auschwitz-Birkenau.

Der Glaskubus am Güterbahnhof erinnert an die Deportation von Juden, Sinti und Roma in das Todeslager Auschwitz-Birkenau.

Das ist auch notwendig, weil Louise Bostanian für dieses Kunstprojekt erhebliche persönliche Anfeindungen und falsche Unterstellungen von poltischen Zielen erfahren musste. Beides hilft in keiner Weise und steht einer inhaltlichen Kritik unnötig im Weg.

Geboren wurde das Projekt aus Louise Bostanians Erfahrung, das viele Deutsche Probleme damit haben, über die eigenen jüngere Geschichte im Allgemeinen und im besonderen auch das Leid der eigenen Bevölkerung im 2. Weltkrieg überhaupt zu sprechen.

Louise Bostanian fand das erstaunlich. Und problematisch. Psychologisch sei die andauernde Leugnung von Leid problematisch und verhindere, dass Trauerprozess abgeschlossen werde. Darmstadt in dieser Sichtweise in der Leugnungsphase des Trauerprozesses steckengeblieben. Und er beschloss sich diesem Phänomen mit der oben geschilderten Methode zu nähern. Er schreibt selbst dazu:

«Durmstädter Brandnamen» ist ein ent-abstrahierendes Mahnmal [….]

Nur offene, gegenseitige Aussprache des Leids, gegenseitiges Verstehen des Leids, gegenseitige Schuldbekenntnisse, gegenseitige Reuebezeugungen und gegenseitiges Vertrauen vermögen echte Aussöhnung und Vergebung zu erwirken.

«Durmstädter Brandnamen» verweist auf die Faktizität von Leid infolge der Brandnacht, bemüht sich um Geltung und möchte echte Aussöhnung und Vergebung erwirken.

Darmstädter BrandnachtLouise Bostanian ist sich dabei von Anfang an bewusst gewesen, dass an vielen Orten (insbesondere Dresden) neue und alte Nazis versuchen den Terror und die Kriegstreiberei der Nazis mit dem Verweis auf den Schrecken der Bombenangriffe der Alliierten zu verteidigen oder zumindest zu relativieren. Eine perfide Strategie, auf die dümmere Menschen jedoch scheinbar schnell hereinfallen.

Macht das Louise Bostanian zu einem Helfeshelfer der Nazis?  Macht er ihr Geschäft? Hilft er ihnen?

Louise Bostanian ist in Darmstadt geboren und aufgewachsen. Doch seine Eltern sind ägyptisch-armenischer Herkunft und nach langem Aufenthalt in Frankreich nach Darmstadt gekommen. Sein etwas „anderes“ Aussehen hat auch rassistische Reaktionen hervorgerufen.

Trotzdem hat er solche Vorwürfe, den Nazis in die Hände zu spielen – mal mehr, mal weniger aggressiv formuliert – vielfach in privaten Nachrichten erhalten. Zu seinem Bedauern haben nur wenige Kritiker die öffentliche Diskussion über diese Vorwürfe gesucht. Aus einer solchen Diskussion könnte ein öffentlicher Lern- und Denkprozess entstehen, der über einfache Kategorien hinausgeht.

Warum aber bewegt sich einer wie Louise Bostanian dann überhaupt so gefährlich nahe am rechten Rand? Er schreibt:

Jedwedes Leid ist gravierend. Es ist weder messbar noch abwägbar. Die Faktizität von Leid ist nicht an Buße, Reue, Schuld, Sühne, Vergebung etc. gebunden, paradoxerweise allerdings die Geltung von Leid.

Er will ausdrücklich nicht die NS-Greultaten leugnen, will auch auf keinen „Opferstilisierung“ betreiben, will das Leid der Vielen nicht relativieren , in dem er „deutsches“ Leid in den Vordergrund setzt. Sondern er will Leid multiperspektivisch betrachten und die semantische Koppelung von Leid mit Opfer und Nicht-Leid mit Täter sprengen.

Seiner Meinung nach ist es schädlich – für die Betroffenen wie auch das kollektive Bewusstsein – wenn Leid aufgerechnet wird. Das Leid, das die Deutschen im 2. Weltkrieg über die Welt gebracht haben, kann – seiner Meinung nach – nicht verrechnet werden, mit dem Leid das die Menschen in der Darmstädter Brandnacht erlebten.

Und seiner Meinung nach lässt erst die Anerkennung des erlittenen Leides ein Lernen zu, während das zur Zeit überwiegend praktizierte „wegsehen“ ein Lernen verhindert. Jedoch will er – die Ergebnisse, zu der seine Methode führen kann, nicht vorgeben – was mich an meine Besprechung der Yoko Ono Ausstellung in der Schirn erinnerte, die als Vertreterin der Fluxus-Bewegung ebenfalls anregen wollte, ohne konkrete Handlungen vorzugeben

Erst auf meine konkrete Nachfrage, ob diese Beschäftigung mit dem Thema Leid zum Beispiel auch zu einer kritischen Sicht auf den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan führen könnte, wo ja auch der Einsatz von Militär mit humanitären Zielen gerechtfertigt wird, bestätigt Louise Bostanian, dass das ein Ergebnis sein könne – betont aber auch, dass er hier keine Deutung vorgeben wolle.

Das Projekt „Durmstädter Brandnamen“ ist also zunächst ein Kunstprojekt, das ein historisches Thema hat und aus dem sich politische Folgerungen ableiten lassen – aber dieses keineswegs automatisch tun. Eine öffentliche Diskussion über die möglichen Implikationen wünscht sich Louise Bostanian ausdrücklich. Die Verfremdung des Städtenamens und historischer Zitate sollen das deutlich machen.

Für Louise Bostanian selbst ist die eigentliche  Arbeit am Projekt eher meditativ, er nennnt es „obsessiv-kompulsives Abschreiben“. Das präzise Abschreiben der Namen erfordere große Ruhe und volle Konzentration.

Sed lib♎ra from Louise Bostanian on Vimeo.

Dass er dabei möglicherweise auch Namen von Tätern und Täterinnen des Dritten Reiches – von Nazis oder Profiteuren der Judenverfolgung – schreibt, bringt ihn nicht aus der Fassung. Ihre Verbrechen könne man seiner Meinung nach nicht abwägen gegen ihren Tod. Und er betont, es sich um „kein gedenkendes Mal, sondern um ein Mahnmal handelt.“

„obsessiv-kompulsives Abschreiben“

Ein semi-autobiographischer «NS-Aufarbeitungsroman» von Uwe Timm: «Am Beispiel meines Bruders» • Größe: 50 × 70 cm • Material: Fineliner auf Papier • Methode: obsessiv-kompulsives Abschreiben • von Louise Bostanian

Das fertige Transparent will  Louise Bostanian nach Abschluss der Arbeit den DarmstädterInnen zur Ausstellung überlassen. Doch noch ist es längst nicht soweit: Von den ungefähr 11.500 Menschen die beim Bombardement starben sind lediglich rund 4.000 auf der offiziellen Totenliste verzeichnet. verletzt, traumatisiert und rund 66.000 wurden obdachlos. 110.000 Einwohner zählte die Stadt damals – für sie alle hätte Louise Bostanian einen Platz auf seinem Transparent. Doch hat er über die offiziellen Listen hinaus wenig Feedback erhalten. Darmstadt hat sein Kunstprojekt – bisher – weitgehend ignoriert.

Soweit zu den Hintergründen des Projektes. Bisher so wenig kommentiert, wie es mir möglich war. Hier geht es weiter mit meinem persönlichen Kommentar dazu: Wurden doitsche Täter zu deutschen Opfern? – Warum ich das Projekt Durmstädter Brandnamen falsch finde, und dennoch will – jetzt, wo es da ist – das darüber diskutiert wird.

Zusammenfassung der bisherigen Diskussion: 11. September in Darmstadt – die Debatte tobt

 

 

Mehr Infos zum Projekt:

Webseite Durmstädter Brandnamen

 

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Revocation of Independence

To the citizens of the United States of America from Her Sovereign Majesty QueenElizabeth II:

In light of your immediate failure to financially manage yourselves and also in recent years your tendency to elect incompetent Presidents of the USA and therefore not able to govern yourselves, we hereby give notice of the revocation of your independence, effective immediately. (You should look up ‚revocation‘ in the Oxford English Dictionary.)

Her Sovereign Majesty Queen Elizabeth II will resume monarchical duties over all states, commonwealths, and territories (except Kansas , which she does not fancy).

Your new Prime Minister, David Cameron, will appoint a Governor for America without the need for further elections.

Congress and the Senate will be disbanded. A questionnaire may be circulated sometime next year to determine whether any of you noticed.

To aid in the transition to a British Crown dependency, the following rules are introduced with immediate effect:

1. The letter ‚U‘ will be reinstated in words such as ‚colour,‘ ‚favour,‘ ‚labour‘ and ’neighbour.‘ Likewise, you will learn to spell ‚doughnut‘ without skipping half the letters, and the suffix ‚-ize‘ will be replaced by the suffix ‚-ise.’Generally, you will be expected to raise your vocabulary to acceptable levels. (look up ‚vocabulary‘).

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Magic meets Music

Waso KoulisEine Zeitreise mit authentischer irisch-schottischer Folk-Musik und magischer Zauberkunst

Doch noch einmal zu sehen: Am Samstag, 14.09.2013 im Theater im Pädagog, Darmstadt, 20 Uhr. Das TiP ist eine geniale Kulisse für dieses Spektakel!

Die Germanen brachten ihre Musik mit ins Frühmittelalter. Sie liebten das Heldenlied und das Götterlied und sie sangen das Tanzlied und das Liebeslied. Schon zu dieser Zeit nannten fromme Kirchenmänner die Lieder und Spiele gleichermaßen teuflisch, sie unterschieden nicht zwischen Lotterspruch, Totensang und Sisesang, der auch übermütig lustig war. Sie rechneten zu den Spielleuten Sänger, Gaukler und sogar Narren und Bettler. Und natürlich Wahrsager, Hexen und Zauberer.

Wo und wann immer Menschen sich versammelten, auf Märkten, an Hochzeiten, Kirchweihen und in Bischofshäusern fanden die wandernden Sänger und Schauspieler nur allzu freundliche Aufnahme – sogar in Nonnen- und Mönchsklöstern, wie auf Konzilen explizit verfügte Verbote nahelegen. Schon Cäsarius von Arles erwähnt, die Bauernweiber könnten wohl teuflische Liebeslieder, aber keine Psalmen singen. Fromme Geistliche entfernten sich, wenn Gaukler und Spielweiber auftraten, aber nicht alle taten es und verschiedene Konzilien geboten den Geistlichen, Hochzeiten fernzubleiben, bei denen Liebeslieder gesungen wurden und üppige Tänze stattfanden.

Bei all solchen Gelegenheiten traten auch sogenannte Hexen, Hexenmeister oder Zauberer auf. Sie waren oft hervorragende KennerInnen der Natur. Sie übernahmen das alte, überlieferte Wissen der heidnischen Priesterinnen und pflegten und bereicherten es. Sie verfügten über umfangreiche Kenntnisse, die sie einsetzten, um Kranken und in der weiblichen Gesundheitsfürsorge (Geburten, Beratung zu Fruchtbarkeit oder Empfängnisverhütung) zu helfen. Aber auch Erfinder und Tüftler rechneten sich oft dieser Kategorie zu oder wurden von Staat und Kirche als solche verunglimpft und verfolgt.

Musik und Magie – beide Künste entzogen sich im Mittelalter der Kontrolle der allmächtigen Kirche und der Macht der Adligen. Sie waren selbstverständlicher Teil des Lebens der einfachen Menschen.

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Luftschutzbunker auf der Knell

Luftschutzbunker auf der Knell beim Tag der offenen TürHeute am Tag des Denkmals war auch der oberirdische Luftschutzbunker auf der Knell zu besichtigen. Nach dem ECHO Artikel dazu hatten sich sehr viele Darmstädter zur Besichtigung entschlossen. Die anwesenden Denkmalschützer war sehr überrascht von dem Ansturm, der reguläre Führungen vereitelte. Dennoch war Denkmalschützerin Ingrid Leist sehr auskunftsfreudig und ständig scharrte sich vor der Tür des Bunkers eine Traube von ZuhörerInnen um sie.

Die Besichtigung war nur bis zu 7. Ebene möglich, weiter reicht die Verkabelung der Beleuchtung bisher noch nicht.

Das Bauwerk ist schlicht und doch – wenn man sich die Umstände seiner Nutzung ins Gedächtnis ruft – beeindruckend und bedrückend zugleich.

Der Bunkertyp  („Winkel“-Türme vom Typ 2C) wurde 1936 (also noch während der Kriegsvorbereitungen der Nazis) erfunden. Seine Wände sind am Boden 3 Meter dick, an der Spitze immer noch 1,30 Meter. Trotzdem ist es schwer zu glauben, dass  sie einen direkten Treffer unbeschadet überstehen würden. Frau Leist erklärte es damit,  dass die Bombe aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit am Turm abrutscht, bevor sie die volle Wucht ihrer Explosion entfalten kann. Durch die runde Form bietet der Turm dann keinen direkten Wiederstand.

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