Archiv der Kategorie Politik

Populismus 1: Die Ratlosigkeit der Ne­ti­zens

Gedanken eine TodgeweihtenAuf dem Barcamp Hamburg 2016 gab es eine Session „Populismus aushebeln – Wie und wodurch? Werkzeuge für jeden von uns“. Ich war zwar nicht dabei, habe aber meine Finger an das Protokoll bekommen – auch in der Hoffnung, dort Anregungen zu finden.

Leider wurde ich enttäuscht. Die Schwarmintelligenz der dort versammelten Ne­ti­zens(1) offenbarte (m.M.) vor allem Ratlosigkeit und eine gewisse – freundliche – Naivität. „Werkzeuge“ kamen dabei nicht heraus. Trotzdem möchte ich die Ergebnisse hier mal mit meinem Senf bestreichen. Zum Einen, weil etwas – nur weil es dem eigenen Anspruch nicht gerecht wird – nicht gleich falsch sein muss. Zum Anderen, weil sich ja auch aus der Kritik etwas lernen lässt. Oder ich daran wenigstens meine eigene Position erarbeiten und schärfen kann. [alle folgenden Zitate ohne Quelle aus dem o.g. Protokoll]

– Mit Nazis diskutiert man nicht […]

Ich halte mich ungern an Regeln, die mir vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe. Mit überzeugten Nazis zu diskutieren macht aber m.M. tatsächlich keinen Sinn. Denn überzeugte Nazis folgen einer strikten Ideologie und haben nur das Ziel, dich zu überzeugen. Sie sind selbst nicht an Erkenntnis interessiert und nicht offen für Argumente. Genauso könnte man versuchen, die Zeugen Jehovas vom Atheismus zu überzeugen.

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Prognosen zu den US-Wahlen 2016

Präsidenten für und gegen Donald TrumpHier habe ich die Prognosen für die heutigen Wahlen in den USA zusammengestellt. Wie es ausgeht, erfahrt ihr im Live-Blog ab ca. 23:30 Uhr (CET) – erst dann ist mit ersten Ergebnissen zu rechen.

Stichzeit: 8.1..2016, 14Uhr CET (8 a.m. New York Time)

Präsidentschaftswahl

Chance of winning:

Clinton  Trump
538  71,9%  28,1%
Crosstab  84,25%  17,75%
PredictWise 89% 11%

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Wie Donald Trump die religiöse Rechte der USA zermalmt

Bible Belt

Der „Bibel Gürtel“ der USA. Quelle: Wikipedia

Donald Trump ist nicht religiös. Er würde nie einen Gott neben sich anerkennen. Geschweige denn, sich von einem vorschreiben zu lassen, was er zu tun hat. Donald Trump tut, was er will. Weil er es kann.

Dennoch tritt er für eine Partei an, in der (evangelikale) gut organisierte, weiße Christen eine dominante Rolle spielen. Genannt: „Die religiöse Rechte“.  Besonders stark ist sie in den Regionen, die man den Bible Belt nennt (siehe rechts). Wenn sie auch vielleicht die republikanische Partei nicht dominieren, so ist doch fast keine Politik und kein Kandidat gegen sie durchsetzbar. Alle US-Politiker kuschen vor der religiösen Rechten, alle werben um diese Stimmen, keiner legt sich mit ihr an. Selbst ein Donald Trump machte ihr (widerwillig) Zugeständnisse. Seine Position zur Abtreibung hat er um 180° revidiert und ihr versprochen, als Präsident nur Kandidaten für das Verfassungsgericht vorzuschlagen, die ihr genehm sind. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist Donald Trump gerade dabei, die die religiöse Rechte nachhaltig zu zerstören.

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Die AfD Darmstadt & die rumänischen Models

AfD Darmstadt - vor braunem Hintergrund

Die AfD Darmstadt – vor (überwiegend) braunem Hintergrund (Fotos: AfD-Webseite, m)

Die AfD versucht gegenüber der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, dass sie deutsche Arbeitsplätze sichern will. Jedenfalls lässt sie das ihre Wähler glauben. In ihrem Programm steht das nicht exakt so, aber das liest ja eh kaum jemand ihrer Wähler.

Und weil die AfD Darmstadt auch bei jungen Wählern landen will, ist sie auch auf Facebook präsent. Ganz groß mit einem peppigen Bild, das die freudige Zustimmung von zwei attraktiven,coolen, jungen Menschen (sorgfältig quotiert: ein Mann, eine Frau) dokumentiert. „Toll“ sollen wir denken, „diese Partei ist jung und hipp!“:

AfD Darmstadt Facebook Seite

Von der AfD Darmstadt Facebook Seite

Pustekuchen! Wenn wir uns zum Vergleich die Leute ansehen, die in Darmstadts AfD wirklich was zu sagen haben, dann sehen wir die alten Männer oben rechts. Keine Frau. Kein junger Mann. Deutsche Spießigkeit vor braunem Hintergrund.

Sind die abgebildeten jungen Menschen vielleicht Teil des engagierten AfD Nachwuchses? Noch zu grün hinter den Ohren, um Verantwortung zu übernehmen? Kleben Plakate und so?

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Die eine Nacht, die den Verlauf der Weltgeschichte bestimmt

Alle vier Jahre in einer dunklen Nacht im November entscheidet eine relativ kleinen Gruppe von Menschen über den weiteren Verlauf der Weltgeschichte. Eine Nacht, auf die viele Menschen zwei Jahre lang intensiv hin gearbeitet haben, für die viel Geld geflossen ist.

Electoral map der USA in den letzten 12 JahrenDie kleine Gruppe von Menschen, von der ich hier rede, sind die „Registered Voters“ der Vereinigten Staaten von Amerika (aka USA). Und die Verschwörung, die ich hier meine, nennt sich US Präsidentschaftswahlen.

Ich spreche von einer kleinen Gruppe, weil die „Registered Voters“ < theoretisch Wahlberechtigte US-Bürger < Einwohner der USA < betroffene der US (Außen- und Umwelt-) Politik (=Weltbevölkerung) sind. Alle anderen sind in dieser Nacht zum Zuschauen (und Kommentieren) verurteilt.

Warum das von Bedeutung ist?

Weil die/der US PräsidentIn darüber entscheidet,

  • ob Dronen vermeintliche Gegner der USA in vielen Ländern töten (ohne Prozess)
  • ob ein Krieg begonnen (derzeit: Syrien, Ukranie) oder (zu welchen Konditionen) beendet wird (derzeit: Afghanistan, Irak)
  • ob wir abgehört werden
  • wohin Waffen verkauft werden
  • ob Atomwaffen eingesetzt werden
  • ob der Energieverbrauch weiter steigt
  • ob die CO2 Emissionen weiter steigen (siehe Abb. 2 rechts)
  • … (und vieles mehr)

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Darmstadts CDU ohne Bürgermeister-KandidatIn

Logo: Matthias Mischler

Logo: Matthias Mischler

Am 19. März 2017 steht in Darmstadt nach 6 Jahren regulärer Amtsperiode die Wahl des Oberbürgermeisters an (Bekanntmachung und Aufforderung zur Einreichung von Wahlvorschlägen).

Für die Grünen tritt dabei der Amtsinhaber Jochen Partsch wieder an. Der SPD Vorstand hat beschlossen Michael Siebel dafür zu nominieren – seine Kandidatur muss jedoch noch von einem Parteitag im November beschlossen werden. Soweit, so normal. Der Vorstand der CDU Darmstadt hat nun aber beschlossen, keinen eigenen Kandidaten und keine Kandidatin aufzustellen. Eine mutige, weil unkonventionelle Entscheidung. Seither tobt die Debatte, ob das so richtig und klug ist. Auf zwei Ebenen:

  • Einige CDU Mitglieder sind unzufrieden damit und kritisieren, dass der Vorstand diese Entscheidung getroffen hat, ohne sich vorher dafür ein Mandat der Mitglieder zu holen.
  • In den Medien und der Bürgerschaft wird diskutiert, ob das klug ist und vielleicht schädlich sein könnte.

Ein paar Gedanken dazu unter Würdigung der jeweiligen Argumente:

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To my US-Friends: How to increase your life expectancy by years

Dear US-Friends,

I have discovered an unbelievable simple method to increase your life expectancy by quite a bit. Its so amazingly simple that I really have to share it with you in English (instead of hoping you will learn enough German to read the original version).

First you will have to understand the concept of „life expectancy“. Its a statistical thing. Data collected by (in this case: death proof) statistical methods. It collects data at which age people die based on where they live. For the US this data is collected at state level. For each state they have an average value (some die much earlier, some much later) but averaged over millions it gives an indication about how long you might live. But: If you speed on the highway or take drugs „life expectancy“ will no save your life – your premature death will only influence future „life expectancy“.

All things equal, the life expectancy should be the fairly the same in the United States of America. OK, considering random factors it might vary by days. Considering a certain influence of different eating habits or occasional local natural catastrophes, lets maybe expect a difference of weeks or month. So lets take a look at what we really have:

Life expectancy in the USA by state

Life expectancy in the USA

A difference of life expectancy of up to four years – depending on where you live is quite a bit. Imagine! An extra year (or two or three or four) added to your life! How much more could you do! Den Rest des Eintrags lesen. »

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15.9.2016 in Dieburg: Wohlstand für alle?

Deutsch Bank - weil wir es können.Das die Einkommensverteilung sich in Deutschland in einer mindestens ungesunden Schieflage befindet, ist schon fast Allgemeinwissen. Während die Zahl der Millionäre in Deutschland jedes Jahr neue Rekorde erklimmt, gilt das ebenso zuverlässig für die Kinderarmut. Und während der Einzelhandel jedes Jahr Milliardenbeträge für Silvesterböller und Tierfutter umsetzt, gibt es hier in Deutschland – mitten unter uns – jedes Jahr Menschen, die erbärmlich verhungern und erfrieren.

Etwas ist faul im Staate Deutschland. Denn die überwiegende Zahl der Millionäre und Milliardäre sind nicht etwa hart malochende Self-made Geschäftsleute, sondern sind vor allem durch Erbschaft und Kapitalinvestments (inklusive illegaler Geschäfte und systematischer Steuerhinterziehung) zu Geld gekommen. Dagegen müssen manche Eltern zwei oder gar drei Jobs annehmen, um ihren Kindern überhaupt einen Mindeststandard an Ernährung und Bildung zu ermöglichen. Und wer  (weil nicht ganz so taff) weder das schafft, noch die unerbittlichen Auflagen von Vermietern und HartzIV-Stasi zu erfüllen, der ist schnell am Arsch und nicht selten schon bald tot. Und dazu braucht es nur ein paar unbehandelte psychische Probleme.

Deshalb ist die Diskussion über eine neue, andere Einkommensverteilung in Deutschland dringend notwendig und längst überfällig.

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10 Punkte über Lagerdenken, Experten, Kritik & die Ilusion des Netzes

Kübra Gümüsay

Siehe unten für eine Erklärung warum diese Bild hier ist.

1. Der Deutschland-Experte?
Bloß weil gerade Deutschland in aller Munde ist und ich deutsch-stämmig bin, muss ich nicht den Deutschland-Experten spielen und mich darüber profilieren. Als politischer Mensch spreche ich ohnehin über Politik, so entschied ich vor Jahren nicht vollends im Klischee enden zu wollen. Deshalb kommentierte ich dieses „Deutschland“ kaum. In den sehr seltenen Fällen, wo ich das tat, versuchte ich ausgewogen, konstruktiv, kritisch zu sein.

2. Das Lagerdenken
Ich bin weder pro dies, noch pro das. In meiner Person und Arbeit vereine ich mehrere Identitäten und Ideale, die in allen politischen Lagern Deutschlands (aber nicht nur dort) auf die eine oder andere Art und Weise anecken, wenn nicht gar fundamental widersprechen.

3. Die Solidarität
Statt in Lagern denke ich in Solidaritäten. Ich verstehe mich solidarisch mit unterdrückten Minderheiten, dazu zählen ethnische, religiöse und andere – überall auf der Welt. Das friedliche Miteinander mit unterschiedlichen Minderheiten ist mir ein wichtiges Anliegen. Das ist aber ein Prozess – denn so sehr man diese Ideale für sich selbst setzt, Solidarität bedeutet im ersten Schritt: Zuhören, zuhören, zuhören. Lernen, lernen, lernen. Und einsehen, dass man in bestimmten Kontexten zu den Privilegierten gehört – und den Luxus hat, Themen und Missstände nicht verfolgen zu müssen, ignorieren zu können.
Dabei müssen Solidaritäten immer wieder neu ausgehandelt werden. Auf dem Weg dahin, werden wir anecken, verletzt sein, vielleicht verletzen. Aber letztlich müssen wir uns diese Aushandlungsprozesse zugestehen. Daran arbeiten. Den Rest des Eintrags lesen. »

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Deine Lebenserwartung? Sag mir wo du wohnst!

Lebenserwartung EU

Lebenserwartung in der EU (Klick für größere Ansicht) – Quelle: EuroStat

Wir werden alle sterben.

Darüber, wann das sein könnte, kann die durchschnittliche Lebenserwartung ein wenig Aufschluss geben. Interessant finde ich, dass unser Wohnort darauf einen relevanten Einfluss zu haben scheint. Und ich meine jetzt nicht, ob wir in Hintertupfingen oder Addis Abbeba wohnen, sondern auch innerhalb der westlichen Welt scheint es einen ganz erheblichen Unterschied zu machen, wo ich herkomme b.z.w. wo ich lebe (mehr zu diesem feinen Unterschied später).

Natürlich wird die Lebenserwartung von ganz unterschiedlichen Faktoren beeinflußt: Umweltverschmutzung, (Qualität des) Gesundheitssystems, Einkommen und Vermögen, Verkehr (Unfälle), Wirtschaftsschwerpunkten (Arbeit in der Schwerindustrie), kulturelle Gewohnheiten und Sitten (z.B. Ernährung, Alkoholkonsum). Einige dieser Faktoren sind national unterschiedlich (insbesondere wenn durch nationale Gesetze bedingt), andere regional. So überrascht es erst mal nicht, dass die Lebenserwartung in Deutschland regional unterschiedlich ist.

Dennoch war ich überrascht, wie sehr sich die Lebenserwartung in Deutschland je nach Region unterscheidet (Abb. rechts). Im Durchschnitt ein Unterschied von (bis zu fünf) Jahren finde ich schon erheblich. Ich hätte Monate erwartet.

Ich könnte jetzt einige Vorurteile raus kramen oder Mutmaßungen über die Ursachen anstellen, aber ich will euch das einfach selbst überlassen :-). Gerade weil die Ursachen extrem komplex sein können. Drüber nachzudenken, kann sicher gut sein – für uns, aber auch für unsere Kinder.

Noch interessanter jedoch ist der europäische Vergleich. Einige unserer Nachbarn scheinen etwas deutlich besser zu machen als wir. Andere etwas deutlich schlechter. Gerade hier lohnt es sich sicher, mal genauer hin zu schauen, was in Italien, Frankreich und Spanien strukturell besser läuft als in Deutschland. Und aus Anlass diverser hochgespielter Diskussionen: Terror hat offensichtlich absolut keinen Einfluss auf die durchschnittliche Lebenserwartung. Entsprechende Ängste (und Diskussionen) lenken nur davon ab, was unser Leben wirklich bedroht.

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