Wie die Lufthansa meinen minderjährigen Sohn im Stich ließ

Gastbeitrag von Irina Wartenpfuhl

LufthansaVor einer Weile kehrte mein zu dem Zeitpunkt 15jähriger Sohn von einem Auslandsaufenthalt in England zurück. Früh morgens verabschiedete er sich von seinen Freunden in seinem Internat in Dorset, reiste mehr als vier Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Heathrow, checkte dort ein, gab sein Gepäck auf, absolvierte Security, kaufte sich eine Cola und positionierte sich vor einer Anzeigetafel, um zu sehen, wann sein Gate für seinen Flug nach Frankfurt angeschlagen wird. Alles alleine, alles auf Englisch, alles am größten Flughafen Europas – alles entspannt und easy.

30 Minuten vor Abflug erhielt mein Sohn eine SMS von Lufthansa, sein Flug sei gecancelt. Daraufhin ging er zum nächsten Lufthansa Counter, um in Erfahrung zu bringen, wie es weitergeht. Vom ersten Lufthansa Counter wurde er zu einem anderen Counter geschickt… und dann zu einer weiteren Stelle – immer mit Wartezeit – bis man ihm nach Stunden schließlich mitteilte, er solle jetzt mal sein Gepäck abholen und den Security-Bereich verlassen, vielleicht könnten ihm die Lufthansa Kollegen draußen weiterhelfen.

Den Rest des Eintrags lesen. »

Tags: , ,

Wie man Flucht erzeugt

Flucht - MigrationIch wurde kürzlich mit der Frage konfrontiert, ob es möglich sei, dass die derzeit zu beobachtenden Fluchtbewegungen nach Europa „erzeugt“ worden sein könnten (angeblich durch ein YouTube-Video „bewiesen“).

Meine erste Reaktion war: “Das ist Unsinn.” Doch dann habe ich überlegt, das nichts ohne Ursache passiert und dass natürlich in den Regionen aus denen Menschen nach Europa fliehen, klare Muster existieren, die nicht (ausschließlich) in diesen Ländern entstanden sind, sondern tatsächlich (und nachweiselich) und systematisch von außen in diese Länder hineingetragen wurden. Und auch wenn nicht alle Puntkte auf jedes betroffene Land zutreffen, so läßt sich doch feststellen:

  • Die mesten Punkte treffen auf die meisten Länder zu
  • Je mehr Punkte zutreffen, desto größer ist die Flucht aus diesem Land

Hier also das Rezept zur Erzeugung von Migrationsbewegungen:

Den Rest des Eintrags lesen. »

Symbol- versus Realpolitik

Özil

Symbolbild

Dieser Tage konnte man den Unterschied zwischen Symbolpolitik (als Aktionen, die öffentlichkeitswirksam sind, aber nichts verändern) und Realpolitik (nicht notwendig öffetnlichkeitswirksam, aber mit großem Einfluss auf das Leben) gut beobachten:

Ein Fußballer hatte sich mit einen (mehr oder weniger) demokratisch gewählten(1) Autokraten getroffen und der hatte das dabei geschossene Foto zu Propagandazwecken verwendet. So demokratisch, wie ein anderer Autokrat, mit dem sich unsere gesamte Nationalmannschaft hätte hemmungslos fotografieren lassen, wenn sie denn etwas gewonnen hätten bei der WM.

Nicht klug, nicht schön. Aber dadurch hat sich nichts Reales auf der Welt verändert. Nicht in Deutschland, nicht in der Türkei. Ich bezweifele sogar, dass dadurch eine relevante Zahl von Menschen ihre Meinung über den Autokraten geändert hat. Und: Er ist ein Fußballer, wird fürs Fußballspielen bezahlt – und nicht für Politik. Vielleicht versteht er nicht mal, was er da getan hat. Er lebt schließlich in einer heilen Welt – die wir alle damit finanzieren, dass wir das TV Gerät einschalten, wenn der Ball rollt.  Aber man muss das natürlich nicht gut finden.

Symbolpolitik.

Trotzdem haben sich alle furchbar darüber aufgeregt.

Den Rest des Eintrags lesen. »

Tags: , ,

Endspiel: Kroatische Fahnenkunde

Republik Hrvatska

Kroatien (Republik Hrvatska) am Flughafen Rijeka

Ich bin kein Freund von Nationalismus und habe daher wenig mit Fahnen am Hut. Auch nicht zu internationalen sportlichen Ereignissen. Ich bin aber ein politischer Mensch mit geschichtlichem Interesse und lege schon einen gewissen Wert auf Präzision. Daher bezeichne ich sogenannte „deutsche Fans“, die anläßlich von (Sport-)Ereignissen mit der Reichskriegsflagge herumlaufen gern präzise als Faschisten.

Unser EU-Partner und Herrenfußballweltmeisterschafts-endspielteilnehmer Kroatien teilt mit Deutschland eine häßliche Vergangenheit: Das faschistische Ustascha-Regime war (Kriegs-)Partner des deutschen Nazi-Regimes und hat Minderheiten und missliebige Meinungen kaum weniger brutal unterdrückt, als ihre deutschen Freunde.

In Kroatien erlebt derzeit – wie auch in Deutschland und anderswo – ein aggressiver Nationalismus derzeit eine Renaissance (der – das ist mir wichtig, zu betonen – hier wie dort, nur von einer Minderheit forciert wird). Ich habe das selbst noch letzte Wochen in Kroatien beobachten und diskutieren können. Und in einem solchen Umfeld wie der Herren-Fiußball-WM kramen natürlich die unverbesserlichen Faschisten gern ihre Symbole & Devotionalien hervor, um sie zur Schau zu stellen und die Menschen daran zu gewöhnen.

Als ich heute auf Twitter einen Tread des kroatisch-stämmigen FR Journalisten Danijel Majic

Sympatische Selbstbeschreibung:

Danijel Majic

@DanijelMajic

Redakteur . Der grimmige FR-Reporter (Titanic). Kroate nur in Anführungszeichen (7Dnevno). Vaterlandsverräter und stolz darauf.

entdeckte, fand ich das einen guten Anlass, hier zur differenzierten Aufklärung beizutragen und er hat mir freundlicher Weise gleich erlaubt, seine Infos zu übernehmen. Darum:  Kleine Fahnenkunde zu Kroatien.

Den Rest des Eintrags lesen. »

Tags: , , , ,

Playlist Milonga „Tango Armónico“ am 24. Juni 2018

Milonga Tango Armónico in Darmstadt

Am 24. Juni habe ich bei der Milonga „Tango Armónico“ im Agora Haus in Darmstadt die Musik gemacht. Thema dieser Milonga ist „harmonische“ Musik, zu der sich Tango tanzen läßt.

Dafür habe ich gezielt Stücke aus traditionellem Tango, Tango Nuevo, Neo Tango, Elektro-Tango und Non Tangos (Klassischer Musik, Pop, Blues, Jazz, …) ausgewählt, die mir zu diesem Motto zu passen schienen.

Was mir dabei nicht bewußt wurde: Diese Auswahl hat einen sehr großen Anteil an langsamen Liedern enthalten – selbst die Vals und Milongas habe ich überwiegend langsam ausgewählt. Das Feedback habe ich auch auf der Milonga erhalten (vielen Dank dafür!). Mir ist noch nicht klar,  ob hier meine (heimliche) Vorliebe für langsame Tango-Tänze zugeschlagen hat, oder ob das eine natürliche Konsequenz der Beschränkung auf harmonische Musik ist. Da werde ich mich in nächster Zeit genauer reinhören.

Eure Gedanken dazu? Gern – wie auch jede andere Anregung – in den Kommentaren!

Ansonsten sind mir tatsächlich zwei technische Fehler unterlaufen: Ein Vals und eine Milonga in je einer Tango-Tanda. Die Profis werden es gleich bemerken, wer mag, kann gerne suchen. 🙂

Hier meine Playlist:

Den Rest des Eintrags lesen. »

Tags: , ,

Who is Courtney Hadwin? And where is she going?

Courtney Hadwin

Courtney Hadwin – Foto von Twitter (Klick für Courtney Hadwin’s Tweet)

Ich interessiere mich ja nicht für diese Talent Shows. Selbst wenn es dabei immer wieder erstaunliche und tolle Auftritte gibt, so ist mir dieses künstlich aufgebauschte und inszenierte drum herum, das ja mehr Zeit einnimmt, als die Musik selbst, sehr zuwider. Ich fühle mich dann immer emotional manipuliert.

Zumal die meisten Talente auf solche Events hin designed werden und danach wieder in der Versenkung verschwinden. Entweder, weil ihr Talent nicht nachhaltig genug ist, oder weil der Ruhm und die Musikindustrie sie für schnelles Geld aussaugen und kaputt machen.

Trotzdem stolpere ich immer mal wieder über Clips davon (weil Freunde und Bekannte die posten). Und so bin ich heute (17. Juni 2018) auf Courtney Hadwin gestoßen. Ihr Auftritt in einer der Vorauswahl-Runden einer US-Talent-Show (für die ich nicht noch zusätzlich Werbung machen will) wurde vor ungefähr 4 Tagen öffentlich und hat bis in die Fachpresse (u.a. Rolling Stone) hinein Wellen geschlagen.

Courtney Hadwin ist 13 Jahre alt (Geb. 6. July 2004), stammt und lebt in Hartlepool, eine Stadt im County Durham, England und beeindruckt zunächst dadurch, wie schüchtern und nervös sie auf der Bühne der Talent-Schow auftritt. Genau bis zu dem Moment, in dem die Musik – „Hard to Handle “ von Otis Redding – anfängt.

Was danach kommt (s.u.) verschlug nicht nicht nur mir die Sprache, sondern auch der Jury, dem Publikum und der Presse. Und ich mußte sofort recherchieren, was sich hinter diesem extremen Energie-Form im Köper eines 13-jährigen Mädchens verbirgt und ob es  mehr sein könnte als nur ein Klick-Hype. Hier meine Ergbnisse.

Zunächst mal der Auftritt, der  Courtney Hadwin ins Rampenlicht katapultiert hat (wer sich das BlaBla vorher sparen will, kann auch direkt bei min 1 mit der Musik anfangen):

Den Rest des Eintrags lesen. »

Tags: , , , , , , ,

Vorschlag zur Reform der deutschen Feiertagsregelungen

Gastbeitrag von Fritz Wolf

KircheMeine Einstellung zu den Feiertagen ist – in der Tat auch als Christ:

Sämtliche religiösen Feiertage abzuschaffen und jedem Arbeitnehmer 10 Tage mehr Urlaub zu gewähren, der an den religiösen Feiertagen – welcher Religion auch immer – vom Arbeitgeber zu gewähren ist (und nicht aus betrieblichen Gründen verweigert werden darf).

Der Katholik könnte dann – egal wo in der Republik – am 15.8. an Maria Himmelfahrt zu Hause bleiben und nicht nur in Bayern und der Protestant könnte überall den Reformationstag feiern und den Buß und Bettag begehen.

Dann hat auch der Moslem das Recht, am Zuckerfest nach dem Ramadan zu Hause zu bleiben und der Jude an Yom Kippur.

Vielleicht gibt es auch atheistische Gedenktage, aber die kenne ich nicht.

Wäre zumindest gut für die Wirtschaft, denn dann wären Mai und Dezember komplette Arbeitsmonate ohne Brückentage an denen die Betriebe vollständig schließen müssen.

 

Keinen Neun-mal-Sechs Beitrag mehr verpassen: Das E-Mail Abo nutzen.

 

Weitere Artikel getaggt mit Religion.

Siehe auch weitere Beiträge in der Kategorie „Gastbeiträge:

 

 

 

Tags: , ,

Polyerosy – korrekte Sprache & sexuelle Orientierung

Fundstück: Polyerosy - Polyamory

(Klick auf das Bild für eine größere Version)

Ich bin vor einiger Zeit „im Internet“ über den rechts stehenden Beitrag gestolpert und finde ihn (immer wieder) absolut köstlich. Eine wunderschöne kompakte Satire zu einigen Themen, die gleich auf mehreren Ebenen funktioniert.

Zwar habe ich mir das Bild gleich irgendwo abgespeichert, doch wann immer ich es suche, finde ich es nicht (sofort). Und da es nur ein Bild ist, hilft Google auch (noch) nicht wirklich dabei, es schnell zu finden.

Deshalb will ich mir selbst (und vielleicht anderen) helfen, indem ich den Beitrag hier im Blog verewige. Zum einen als Bild, zum anderen als eine (abgeschriebene) Text-Version und – um ihn auch dem deutschen Sprachraum zu erschließen – als Übersetzung ins Deutsche.

Falls jemand Lust hat, ihn auch in andere Sprachen zu übersetzen – immer her damit!

Vorab ein Disclaimer: Der Text ist weder von mir, noch kann ich bestätigen, verbürgen, etc., dass dieses Gespräch tatsächlich so stattgefunden hat. Vielleicht hat es sich auch jemand einfach ausgedacht. Wer es auch immer dokumentiert / sich ausgedacht & aufgeschrieben hat: Danke dafür!

Hier nun zunächst die (freie) Übersetzung ins Deutsche:

Den Rest des Eintrags lesen. »

Radentscheid Darmstadt

Platzverbrauch durch verschiedene VerkehrsmittelIch beklage ja schon länger, dass es um den Radverkehr in Darmstadt nicht gut bestellt ist und das es hier einiges zu tun gibt. Um Gleichberechtigung mit anderen Verkehrsmitteln herzustellen, um Radfahren als Lärm-, Abgas-, Kosten-, Energieverbrauchs- und Platzverbrauch-minimierendes Verkehrsmittel zu förden und um Gesundheit und Leben von RadfahrerInnen vor PKWs und LKWs zu schützen.

Und während ich einerseits angesichts der (primär von der SPD verursachten) Schuldenlast Darmstadt keinen Masterplan und keine  Wunder erwarte, so hat mich die Leugnung der bestehenden Probleme durch den grünen OB bei der letzten Oberbürgermeisterwahl dazu bewogen, nicht für Jochen Partsch zu stimmen.

Angesichts der Summen, die die Stadt Darmstadt inzwischen für andere Verkehrs- und Verschönerungsmaßnahmen ausgibt, ist es nicht einzusehen, dass der Radverkehr weiter vernachlässigt wird.

Deshalb begrüße ich ich kürzlich gestartete Initiative Radentscheid Darmstadt, die über einen Bürgerentscheid eine kontinuierliche Verbesserung für den Radverkehr erreichen will. Für einen solchen Bürgerentscheid sammeln die Initiatoren derzeit Unterschriften. Bis zum 30. April müssen mindestens 3.460 Unterschriften (mehr wären besser) zusammen kommen, damit ein solcher Bürgerentscheid stattfindet.

Was unterstütze ich mit einer Unterschrift?

Mit meiner Unterschrift beantrage ich gem. § 8b der Hessischen Gemeindeordnung die Durchführung eines Bürgerentscheids zu folgender Frage:
Soll die Stadt Darmstadt die nebenstehenden 7 verkehrspolitischen Ziele umsetzen?

Quelle: Unterschriftenliste

Den Rest des Eintrags lesen. »

Tags: , , , , , , , , , , ,

Alles nur Maiskolben: El Choclo / Kiss of Fire / Beso de Fuego / Black Eyes Rock

„El Choclo“ ist ein uraltes Tango Argentino -Stück. Doch beim Tango tanzen habe ich es bisher (bewußt) nicht bemerkt. Sondern durch gleich zwei neue Interpretationen, die (unabhängig von einander) mein Feuer für dieses Lied entfacht haben. Ja, ich muß sogar gestehen, dass ich ein paar Wochen gebraucht habe, um zu schnallen, dass es sich letztlich bei beiden eigentlich un das gleiche Lied handelt – so genial sind beide auf ihre ganz eigene Art und Weise.

Auf Beide werde ich am Ende zurück kommen. Doch hat mich die Entdeckung des gleichen Ursprungs dazu inspiriert, die Herkunft und den Werdegang dieses Liedes zu recherchieren. Und was ich dabei entdeckte ist vielleicht die längste und (in vieler Hinsicht) aufregendste Geschichte meiner vergleichenden Musikstudien.

„El Choclo“ (spanisch: Maiskolben) ist eine Kompositon von Ángel Villoldo, einem argentinischen Musiker. Angeblich leitet sich der Titel von dem Spitznamen eines Nachtclubbesitzers ab. Das Instrumentalstück kam 1903 (also lange vor der Época de Oro) in Buenos Aires heraus und wurde in dem Restaurant „El Americano“ auf der 966 Cangallo Street von einem von Jose Luis Roncallo geleiteten Orchester uraufgeführt.

Erste später wurde ein Text hinzugefügt. Mit steigender Dramatik:

The original lyrics by Villoldo specifically sang about the corn cob as food. He later wrote another version titled „Cariño Puro“. Another version was written by Marambio Catán, but the most popular remains Enrique Santos Discépolo’s (1947), which sing about tango as a way of life.

Quelle: Wikipedia

Dieser Text beschreibt den Aufstieg des Tangos und der Sängerin aus dem Slum in das Nachtleben der Metropole und wie die Musik ihr nach wie vor in sentimentaler Erinnerung das Herz bewegt.

Mucho Tango. Und so konnte sich El Choclo nicht nur etablieren – sondern sich wie ein Ohrwurm-Virus in die gesamte Musikgeschichte – bis zum Hard Rock – verbreiten können. Doch fangen wir – ganz klassisch – am Anfang an:

Den Rest des Eintrags lesen. »

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,