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Die Dyskussion über die Zukunft Darmstadts ist eröffnet

Darmstädter Tagblag berichtet

Darmstädter Tagblag berichtet (klick für eine größere Version)

Erschreckend, schmutzig, faszinierend. Wenn die Ausstellung „Das dystopische Darmstadt“ Recht behält, dann wird das Darmstadt der Zukunft keineswegs grün sein. Sondern grau-blau-braun. Hässliche und ästhetisch-schöne Wolkenkratzer werden sich darin abwechseln, Lui und Fünf-Finger-Turm zu überragen. Seltsame Gestalten werden über die dreckigen Plätze und in den Schluchten wandeln. Wer es sich leisten kann, wird keinen Fuß auf diesen schmutzigen Boden setzen, sondern sich schwebend zwischen oder über den futuristischen Bauten bewegen.

Natürlich wird sie nicht Recht behalten. Jede utopische oder dystopische Fantasie lag bisher falsch. Ja, muss falsch liegen, denn allein ihre Darstellung und Verbreitung erzeugt Reaktionen und Veränderungen – fordert das Denken, verändert die Diskussionen, beeinflusst Entscheidungen. Manchmal führen Dystopien dazu, da Dinge nicht geschehen. Manchmal dazu, das Dinge erst später geschehen. Manchmal nur dazu, das schreckliche Dinge anders getan,  besser verborgen oder geschickter gerechtfertigt werden.

Nicht nur an den WändenZum Beispiel George Orwells 1984: Das ist nicht eingetreten. Jedenfalls nicht so. Der Staat verbreitet kein einzig gültige Wahrheit, der Fernseher ist keine Überwachungsgerät geworden, und Gegner werden nicht mit Ratten gefoltert. Nein, so ist es nicht gekommen. Vielmehr gibt es heute viele Wahrheiten und Meinungen,  überwacht werden wir über unsere Telefone und Computer und Waterboarding ist von US Juristen zur akzeptablen Verhörmethode erklärt worden.

Ja, alle dystopischen Gedankenspiele sind dazu verdammt, falsch zu liegen. Trotzdem sind sie ein guter Anlass, darüber nachzudenken, in was für einer Welt wir und unsere Nachkommen leben wollen.

Die Fotos von Carsten Buchholz setzen dabei an der Gegenwart an und bilden lediglich ab, was bereits geschaffen wurde. Real existierende dystopische Elemente und Ansichten hat er in Darmstadt, aber zum Beispiel auch in Frankfurt, Berlin, Hamburg, Schanghai und Peking gefunden und gelegentlich durch Spiel mit Nähe, Licht, Perspektiven und Farbwerten weiter verfremdet. Elemente, die um sich greifen können oder ins heile Darmstadt hereinschwappen könnten. Die Besucher dürfen keine Kunstfotografie, eine durchgängige ästhetische Linie erwarten, sondern eine Sammlung von sehr unterschiedlichen, raum 5dokumentarischen Fotos, vieles wenig überraschend, manchmal irritierend, immer dunkel und gelegentlich amüsant.

Die Zeichnungen von Ingo Lohse dagegen sind große Kunst und folgen einer klaren ästhetischen Linie, Comic-Freunde erkennen hier auf jeden Fall Elemente von Möbius und Seyfried wieder, aber auch aus der deutschen U-Comix Szene und japanischen Meistern. Dennoch schafft Ingo Lohse mit großer Detailbesessenheit und sehr ungewöhnlichen, zukunftsweisenden Ideen hier eine ganz eigenen, unverwechselbaren Stil.

LAnsichtssachenohses – vollständig in Schwarz-Weiß gehaltenen – lebendige Stadtbilder sind um Wahrzeichen und Marken der Stadt Darmstadt herum komponiert und vereinen faszinierende, erschreckende, schöne und hässliche Elemente in einem einzigen Bild. Genauso sehr man sich wünscht, dass Darmstadt nie so wird, genauso sehr reizt es den Betrachter (also: mich) diese Stadt zu betreten und zu erkunden (und natürlich zu fotografieren).

Daneben zeigt Ingo Lohse auch die Menschen der Zukunft in – ebenfalls Schwarz-Weiss gehaltenen – Ganzkörperstudien sowie in 12 farbigen Portraits. In den Ganzkörperstudien schützen sich die Menschen durchgängig mit Masken (vor der salz-haltigen Luft?), der Fokus liegt auf der Mode und den Accessoires. Hier können sich Modeschöpfer noch einige wirklich innovative Ideen klauen.

Ingo LohseBei den farbigen Portraits liegt der Schwerpunkt auf ausdrucksstarken (weiblichen?) Gesichtern, Body-Mods und -Extensions sowie Hutmode. Dabei ist der Übergang zwischen Body-Extensions und Hutmode fließend und stellt den Betrachter manchmal vor interessante Rätsel.

Unplausibel ist übrigens bei Lohses Menschenstudien, dass er für die Zukunft ausschließlich die gemäßigten Rank-und-Schlank-Modelle des Homo Sapiens berücksichtigt. Wenn die Zukunft so krass ist wie beschrieben, dann wird in der Zukunft vom Anorexischen Modell bis zur Jabba-the-Hood-Variante alles vertreten sein.

Trotz aller cooler Outfits und idealer Figur fällt jedoch auf: Keiner dieser Menschen der Zukunft sieht glücklich aus. Ist das unsere Zukunft: Fast unbegrenzte Möglichkeiten, uns selbst zu „gestalten“, doch keine macht uns wirklich glücklich?

Inspirationen zu solchen Fragen bietet die Ausstellung auf vielfältige Weise. Auch weil sie kein Konzept-Ausstellung ist: Die Fotos zeigen keine einheitliche Linie und kein ästhetisches Muster, sondern sind offensichtlich eine Zusammenstellung von zum Thema passenden Fotos aus sehr verschiedenen Kontexten und von sehr unterschiedlicher Qualität. In der Kombination mit Lohses Zeichnungen lädt dieses aber zum individuellen Entdecken von Gemeinsamkeiten und Unterschieden ein.

Noch spannender hätte eine Kombination von Fotos und Zeichnung in einem Bild werden können, wenn die beiden Aussteller vor der Ausstellung dafür Zeit gefunden hätten. Aber das kann auch eine Folge der Ausstellung werden.

Bei der Vernissage las außerdem Tobias Reckermann von der Gruppe „whitetrain“ den Science Fiction Text „CityWatch“ – eine sehr amüsante Schilderung eines Rundgangs durch das Darmstadt im Jahr 2113, die auch soziale und politische Konflikte darstellt. Eine tolle Ergänzung zur Ausstellung, auch wenn der junge Autor sprachlich noch recht konventionell schreibt und inhaltlich vor allem bekannte Muster, Konflikte und Verschwörungstheorien in die Zukunft extrapoliert und mit seinen Visionen nicht wirklich überrascht.

Fakten zur Ausstellung:

 

 

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5. September bis 3. Oktober: Anders sein – anders sehen

Für uns sind die Anderen anders. Für die Anderen sind wir anders. Anders sind wir, anders die Anderen, wie alle Andern.

Unbekannt

Militärpersonal gehend17 Momente in der Zeit eingefroren, 17 Bilder von Menschen, die über 24 Jahre hinweg auf drei vier verschiedenen Kontinenten aufgenommen wurden.

Menschen die anders sind, anders aussehen, ander(sartige)e Menschen sehen, Menschen die anders sehen und Menschen die anderes sehen. Nicht in knalligen, offensichtlichen Gegensätzen, sondern in kleinen, oft sehr feinen Differenzen.

Andersartigkeit ist Voraussetzung für unsere Individualität. Und doch flößt sie vielen Menschen Angst ein: Homophobie und Fremdenfeindlichkeit sind nur zwei prominente Beispiele dafür. Wer sich von solchen Ängsten frei macht, kann auf der Suche nach Andersartigkeit spannende neue Realitäten, Sichtweisen und Menschen entdecken. Die Kamera schärft dabei den Blick für die feinen Details und ermöglicht diese Erlebnisse, Situationen und Momente über die wenigen Sekundenbruchteile ihrer Realität  hinaus zu  bewahren und teilen zu können.

17 Bilder können dieses spannende Thema nur anreißen. Sie können anregen, inspirieren, unterhalten, nachdenklich machen, anstiften. Und vielleicht sogar ins Gespräch bringen.

Keines der Bilder ist gestellt. Alle sind echt, aufgenommen ohne Ankündigung, ohne Vorbereitung, ohne Schminke, ohne Photoshop. Die Qualität ist bestimmt von den Lichtverhältnissen, der vorhandenen Kamera, dem (falls überhaupt möglich) gerade montierten Objektiv. Aber auch dem Filmmaterial, der Alterung und dem Scanvorgang, weil sie teilweise noch auf Diafilm aufgenommen wurden.

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Verfrühte Vorankündigung: Fotoausstellung vom 5. September bis 3. Oktober

FotografUpdate: 4,6,2013: Eigene Web-Seite für die Ausstellung ist online: www.anders.blogsport.eu

Update, 29.5.2013: Thema steht fest: „Anders sein – anders sehen“.

Außer dem Ort, dem Termin und mir steht eigentlich noch gar nichts fest. Aber immerhin:

Vom 5.September bis 3. Oktober werde ich im Theater im Pädagog eine Auswahl meiner Fotos ausstellen.

Jetzt muss ich mein Material sichten (ca. 6.000 Dias und viel mehr digitale Bilder), mich für ein Thema (viele Ideen) entscheiden (oh je!) und dann die Bilder auswählen (furchtbar!).

Überlege, ob ich den Prozess im Blog dokumentieren sollte.

Details folgen auf jeden Fall hier.

Auf jeden Fall will ich das als Gelegenheit nutzen, dem Theater im Pädagog für die Möglichkeit zu danken und auf die anderen Fotoausstellungen hinzuweisen, die dort vorher stattfinden. Ab Donnerstag zeigt dort z.B. Natalie Krieger ihre Bilder „unterwegs ……… in New York“ .

Außerdem bin ich noch an der Idee einer Gemeinschafts-Ausstellung „Dystopische Darmstadt“ dran. Aber das ist bisher wirklich noch nicht mehr als eine Idee.

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