Artikel getaggt mit Presse

Spam von Springer

Das es der Axel Springer Konzern mit dem Recht und Gesetz nicht so genau nimmt, ist hinreichend bekannt. Und er gerät deswegen zunehmend unter Druck.

Die Web-Seite BildBlog prangert schon seit Jahren die schwersten journalistischen Verfehlungen der Bild an. Neuerdings – insbesondere nach der Anti-Griechen-Hetze der Bild und dem respektlosen Umgang mit den vom Absturz der Germanwings Maschine betroffenen Menschen – kommen weitere Aktionen wie zum Beispiel die Weigerung von Einzelhändlern, die Bild anzubieten, der #BildBoykott Hashtag auf Twitter oder ein Pranger für Werbekunden der Bild hinzu. Auch ich habe hier schon die Verfälschung von Fakten angesichts der Euro-Krise durch die Bild kritisiert.

Und dieser Druck schadet. Keine Zeitung in Deutschland verliert so schnell an Auflage wie sein sein Flagschiff „Bild“ – allein 10% im letzten Jahr (siehe Graphik rechts).

Dennoch sollte das kein Grund sein, mich (illegal) zu belästigen. Kürzlich fand ich in meiner Spam-Mailbox – zwischen Mails, die mir Viagra und unseriöse Kredite verkaufen wollen, versuchen mir Trojaner und Viren unterzuschieben und mir unglaubliche Einkommensmöglichkeiten („Schnell geld Verdienen“) und Penisvergrößerungen anbieten – auch Post vom Springer Verlag. Darin wird mir die Bild am Sonntag zum Grabbeltisch-Preis angeboten – und noch 20 Euro Bestechungsgeld in Bar oben drauf:

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Meine kleine Rückkehr zum Journalismus

Ich habe wieder geschrieben. Für eine Print-Publikation. Lokal-Journalismus.

Nach langen Jahren der Abstinenz bin ich damit quasi zu meinen beruflichen Wurzeln zurückgekehrt. Ich habe (Schülerzeitung „Gymnase“ mal außen vor) mit Mini-Artikeln und Veranstaltungs-Tipps aus Hann. Münden beim Wildwechsel angefangen. Beim Göttinger Tageblatt und beim Gandersheimer Kreisblatt habe ich das harte Alltagsgeschäft des (und den Spass am) Lokaljournalismus (besonders in Erinnerung geblieben: Plattdeutsch-Abende, Goldene Hochzeiten, CD-Besprechungen der Werke lokaler Schlagermatadoren) erlernt. Und dann beim Konstanzer „Neuen Nebelhorn“ (inzwischen eingestellt) als Redakteur für Lokalpolitik geschafft.

Dann kam der Internet und ich geriet auf die schiefe Bahn – als Projektleiter bei Internet-, Telekommunikations-, Software- und IT-Projekten. Und dem Beruf werde ich auch trotz dieser kleinen Rückbesinnung treu bleiben.

Geschrieben habe ich einen (erläuternden) Kommentar zur Kommunalwahl in Darmstadt, die ich ja aufwendig begleitet hatte. Veröffentlicht im aktuellen P-Magazin:

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16 für 2016 – meine Wünsche an JournalistInnen

Professioneller Journalismus? Kannste knicken? Oder gehts auch besser?

Professioneller Journalismus? Kannste knicken, oder gehts auch besser?

Ich lese gern. Ich lese Romane, Krimis, Sachbücher. Und vor allem journalistische Produkte. Schließlich habe ich meinen ersten Text, auf den ich stolz war, als Journalist geschrieben, fast mein erstes Geld mit Journalismus verdient (wenn man großzügig über einen Ferienjob auf dem Bau absieht) und war lange als Journalist tätig. Und bin beruflich weiterhin in der Medien-Branche unterwegs.

Leider werde ich gerade von journalistischen Produkten in letzter Zeit immer häufiger enttäuscht. Ein paar dieser Enttäuschungen habe ich hier im Blog verarbeitet (Auswahl: Nachruf auf die FTD, Wie man aus heißer Luft eine Story für den rechten Zeitgeist macht, Verlegerische Doppelmoral, die Zuckerberg-Blamage, Print vs. Digital, Wie der Hass entsteht… dank Springer, Thomas Müller entlarvt saudumme Journalisten-Frage). Andere habe ich euch (und mir) erspart.

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass der Journalismus schlechter wird, oder ich anspruchsvoller oder kritischer. Aber es führt ganz klar dazu, dass ich immer weniger journalistische Produkte nutze, kaufe, empfehle. Sie sind mir immer seltener meine Zeit und mein Geld wert. Und ich beobachte ähnliches auch um mich herum – sogar bei aktiven JournalistInnen. Den Rest des Eintrags lesen. »

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Journalismus: Die Zuckerberg-Blamage

Papierschiffchen aus Zeitungspapier

Professioneller Journalismus? Kannste knicken!

Die meisten Menschen denken an Wohltätigkeit, wenn sie von einer „Stiftung“ lesen. Dabei dienen Stiftungen überwiegend zwei Zwecken: Steuerersparnis und Lobbyismus. Es gibt zwar auch wohltätige Organisationen, die sich diese Vorteile zu nutze machen. Aber den meisten Stiftungsgründern geht es lediglich darum, mehr Geld oder Macht anzuhäufen. Das nicht zu wissen, ist kein Problem. Stiftungsrecht gehört nicht unbedingt zum Allgemeinwissen. Es gibt jedoch eine Berufsgruppe, die sollte wissen, wofür Stiftungen benutzt werden und wissen, was keine „Stiftung“ ist: Journalisten.

Anfang dieses Monats sind erschreckend viele Journalisten genau an dieser Frage gescheitert und ich musste viele Fehlinformationen in der Profi-Presse lesen – und zwar leider über das ganze Pressespektrum hinweg. Die Top-Schlagzeile des Tages war:

Facebookgründer Mark Zuckerberg spendet 45 Milliarden Dollar an eine Stiftung für wohltätige Zwecke.

So hab ich es gelesen – und so haben es sich die meisten von euch vermutlich gemerkt. An dieser Schlagzeile ist leider alles falsch.

  1. Das geringste ist noch, das Zuckerberg nur einer der Gründer von Facebook ist. Könnte man zur Not zwar durchgehen lassen, aber: Exakt und aktuell relevant, wäre ihn als „Vorstandsvorsitzender von Facebook Inc.“ zu bezeichnen. Diese minimale Ungenauigkeit sei im folgenden aber gar nicht weiter betrachtet.
  2. Es geht nicht um 45 Milliarden Dollar, sondern um 99% seiner Facebook Aktien. Die sind im Augenblick zwar rein theoretisch so viel wert (mit dem aktuellen Börsenkurs bewertet). Aber wenn er nur anfangen würde, einige davon zu verkaufen, würde der Kurs sinken. Weil das Angebot steigt. Aber vermutlich noch mehr, weil der Aktienmarkt das vermutlich als Ausstieg Zuckerbergs aus Facebook verstehen würde. Und auch andere anfangen würden, ihre Aktien zu verkaufen. Dazu kommt: Die zukünftige Kursentwicklung ist völlig offen ist. Das ist wichtig, denn:
  3. Er verkauft die Aktien gar nicht jetzt, sondern „im Laufe seines Lebens“. Also irgendwann.
  4. Er spendet das Geld auch nicht, sondern überträgt es an die Chan-Zuckerberg Initiative, die er selbst gründet und vollständig kontrolliert. Das ist so, als wenn ich Geld von einem Konto von mir auf ein anderes Konto von mir überweise.
  5. Es gibt keinerlei Garantie, dass das Geld tatsächlich für wohltätige Zwecke verwendet wird. Zuckerbergs blumige Erklärung klingt mehr nach Lobbyismus für eine bestimmte technokratische Weltanschauung. Mit dem Versprechen, dass dadurch die Welt besser würde.
  6. Die Chan Zuckerberg Initiative ist nicht als Stiftung gegründet worden, sondern als „Limited Liability Company“ (LLC). LLC ist in den USA eine Unternehmensform, die am ehesten der deutschen GmbH ähnelt. Wichtig: Das ist erst mal kein wohltätiger Club, sondern ein handfestes, profitorientiertes Unternehmen (1). Was nicht ausschließest, das sie gemeinnützig tätig wird, es aber keinesfalls bedeutet. Die Behauptung, es handle sich um eine Stiftung,  entbehrt jeder Grundlage. muss sich ein Journalist einfach ausgedacht haben – und alle anderen haben es unhinterfragt abgeschrieben.

Leider gibt es nicht ein einziges deutsches Leitmedium, dass alle diese Fakten richtig dargestellt hat. Kein Einziges!

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Die Welt: Wie man aus heißer Luft eine Story für den rechten Zeitgeist macht

 Dietrich Alexander (stv. Ressortleiter Außenpolitik Die Welt)Manche Zeitungsartikel scheinen Schlimmes für die Zukunft vorherzusagen. Nicht immer ist leicht zu durchschauen, ob das wirklich an den Fakten liegt, die sie zu präsentieren vorgeben. Doch was Dietrich Alexander neulich in Springers „Welt“ veröffentlicht hat, ist ein sehr dreister Versuch, nicht vorhandene Fakten in ein gewünschtes Weltbild zu pressen.

Zunächst war mir nur die reißerische Überschrift aufgefallen. Da hieß es: „Demografische Übermacht der Muslime unaufhaltsam“ – das klingt selbst für eine Überschrift mehr nach Wahlplakat als nach Journalismus. Im Zusammenhang mit Demografie (also der Forschung zum Bevölkerungswandel) ist der Begriff „Übermacht“ unangebracht, da es bei Demografie nicht um Macht geht. Und auch das Wort „unaufhaltsam“ enthält Wert- und Wunschvorstellungen, die erst mal mit Nachrichten-Journalismus nichts zu tun haben, sondern höchstens in einen Kommentar gehören.

Das ist der „Welt“ dann wohl auch aufgefallen, denn schon kurz danach änderte sie den Titel in „Muslime – Die Gewinner des demografischen Wandels“. Ein Titel, an dem erst mal nichts auszusetzen ist. Doch da hatte ich mir den Artikel bereits näher angesehen, weil mir eine Unstimmigkeit aufgefallen war:

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Die Methode der drei Siebe

Eule

Ganz aufgeregt kam ein Mann zu einem Weisen gerannt: „Ich muss dir etwas erzählen. Dein Freund …“

Der Weise unterbrach ihn: „Halt!“ Der Mann war überrascht.

„Hast du das, was du mir erzählen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“, fragte der Weise.

„Drei Siebe?“, wiederholte der Mann verwundert.

„Richtig, drei Siebe! Lass uns prüfen, ob das, was du mir erzählen willst, durch die drei Siebe passt. Das erste Sieb ist die Wahrheit. Ist das wahr, was du mir erzählen willst?“

„Ich habe es selber erzählt bekommen und …“

„Na gut. Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Das zweite Sieb ist das der Güte. Wenn es nicht sicher wahr ist, was du mir erzählen möchtest, ist es wenigstens gut?“

Zögernd antwortete der Mann: „Nein, im Gegenteil …“

„Dann”, unterbrach ihn der Weise, „lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden. Ist es wichtig und notwendig, es mir zu erzählen, was dich so aufregt?“

“Wichtig ist es nicht und notwendig auch nicht unbedingt.“

„Also mein Freund“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es lieber sein und belaste dich und mich nicht damit.”

(Zen Geschichte)

Ich würde sagen, 50% von dem was in der Presse und im TV gebracht wird, besteht diesen simplen Test nicht. Lasst uns schauen, dass zumindest das, was wir selbst verbreiten, wenigstens einem dieser Kriterien genügt.

Mehr Zitate und Weisheiten in der Kategorie Zitate und Weisheiten.

 

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Verlegerische Doppelmoral

“Bedrohungen für deutsche und polnische Lokalmedien” - Diskussionsveranstaltung der VIII. Deutsch-Polnische Journalistenakademie“Bedrohungen für deutsche und polnische Lokalmedien” war der Titel einer Diskussionsveranstaltung der VIII. Deutsch-Polnische Journalistenakademie (Organisiert vom „Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit“ und der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung). (Journalistik-Absolventin aus Darmstadt) berichtet in ihrem Blog darüber.

Es ging um polnischen und deutschen Regional- und Lokaljournalismus, dessen Zukunft und die Bedrohungen, die ihm zu schaffen machen. Soweit so normal und absehbar. Interessant fand ich, dass Dummheit und Gier offensichtlich grenzübergreifend sind: Denn einerseits wurde dort (mal wieder) „die Kostenloskultur im Internet angeprangert“ angeprangert. Andererseits – und offensichtlich ohne sich dieses Wiederspruches bewusst zu sein – wollen die Verlage selbst kein Geld für Arbeitskräfte zahlen:

Von den Podiumsteilnehmern wurde nüchtern festgestellt: Praktika seien wichtig, man müsse auch mal ohne Geld arbeiten können, auch mehrere Monate lang…

Absurd, die Leute! Realsatire vom Feinsten!

Natürlich kann ein Berufsanfänger nicht für jedes Praktikum Geld erwarten – je höher der Ausbildungsanteil, desto weniger Geld kann ein Praktikant erwarten – und dazu gehören auch praktische Übungen (jedoch mit differenziertem Feedback). Für ein Erstpraktikum (ohne praktische Journalismus-Erfahrung) sollte kaum jemand ein Gehalt erwarten.

Meist jedoch wird jedoch von Prakties erwartet, dass sie wie Festangestellte arbeiten und eine Ausbildung findet im Redaktionsalltag kaum gezielt statt.

Update, 10.10.2013: Bester Beleg für meine Behauptung: Eine 18-jährige Praktikantin des lokalen Radiosenders „Energy Nürnberg“ hat einen Beitrag des Fürther Satire-Blogs „Der Postillon“ zum Blitzmarathon vom Donnerstag ernst genommen – und damit mächtig für Wirbel gesorgt.

Die Praktikantin selbst sei „fix und fertig und erst einmal nach Hause gegangen“, erzählte Hajek. Sie hätte erst am 1. Oktober ihr Praktikum begonnen, sei direkt von der Schule gekommen und hätte keinerlei journalistische Erfahrung.

 

q.e.d.

 

Siehe auch:

Weitere Artikel in der Rubrik Journalismus.

 

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Nachruf auf die FTD: Da warens wieder zwei…

Financial Times Deutschland: Der Schlussstrich ist gezogen

Es war einmal, da gab es zwei Wirtschaftstageszeitungen in Deutschland. Eine war so neoliberal, das der Präsident des BDI dort seine Reden abschreiben lassen konnte. Und die andere war so Unternehmer-hörig, dass in ihr die Reden des Präsident des BDI täglich in sprachlich veränderter, aber inhaltlich nur unwesentlich variierter Form als Kommentare erschienen.

Eine davon war die F.A.Z. Die andere war das Handelsblatt. Was sie gemeinsam hatten: Abgesehen von der Titel- und der Meinungsseite bestand ihre Wirtschaftsberichterstattung primär aus der geringfügigen Veränderung (aber nicht unbedingt Verbesserung) von Agenturmeldungen und Pressemitteilungen. Und das war gut so, denn das liebten die mitteilenden Unternehmen und die von ihnen unterstützten Verbände. Und so schalteten sie dort fleißig Anzeigen.

Wer damals Volkswirtschaft studierte und neben Fachliteratur auch etwas über die Realität lesen wollte, konnte sich mit solcher Verschwendung von Papier nicht zufrieden geben. Der Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung (und der Economist) waren damals die einzigen (unbefriedigenden) Möglichkeiten, der stumpfen Firmenhofberichterstattung zu entfliehen.

Bebilderung war in der FTD trotzdem manchmal Glücks- bzw. Pechsache

Trotz aller Qualität: Die Bebilderung war auch in der FTD manchmal Glücks- bzw. Pechsache

Dann kam der Aktien-Boom und damit ein vermehrtes Interesse der allgemeinen Öffentlichkeit an Wirtschaftsnachrichten. Und plötzlich eine neue Zeitung. Eine positive Entwicklung: Die Financial Times Deutschland (FTD) machte aus journalistischer Sicht von Anfang an alles richtig. Eine moderne Schreibe, gutes Layout, eine internationale Ausrichtung, sowie fundierte und kritische Hintergrundberichte. Kaum Abtippen von Pressemitteilungen und Abdrucken von Lobby-Reden. Ein Blatt, das jeder Wirtschaftsinteressierte gern las und anregend fand. Und das sogar von der Konkurrenz gelobt wird. Was sollte da schief gehen?

 

Jetzt hat die FTD ihr Erscheinen eingestellt, die Redaktion ist entlassen, die Druckmaschinen erkaltet, die Abos gekündigt. Was ist schief gegangen? Gibt es keinen Bedarf für eine moderne, journalistische Wirtschaftszeitung in Deutschland?

Die Wahrheit ist: Doch! Aber der Markt für Zeitungen ist kein Markt für Qualitätscontent. Über die verkaufte Auflage kann sich keine Zeitung in Deutschland finanzieren. Der entscheidende Markt, über den sich Zeitungen finanzieren, ist der Anzeigenmarkt. Dabei geht es nicht etwa darum, einfach nur freie Werbeplätze zu vertreiben, sondern darum positive Aufmerksamkeit der LeserInnen an die werbenden Kunden zu verkaufen. Dazu gehört nicht nur ein als Anzeige gekennzeichneter Kasten, sondern ein von der Berichterstattung her positives Umfeld. Und vielen Firmen war die journalistische Aufmerksamkeit, die die FTD generierte, aus ihrer Sicht nicht freundlich genug. Zumindest im Vergleich mit den Eingangs genannten willigen Werbe-Alternativen.

Natürlich hat die Financial Times Deutschland Anzeigen erhalten – ich will hier keineswegs unterstellen, dass sie von der Wirtschaft boykottiert wurde. Aber sie hat eben doch deutlich weniger Anzeigen erhalten, als das Handelsblatt oder die FAZ. Wer mal am gleichen Tag in allen drei Zeitungen geblättert hat, wird das bestätigen können. Insbesondere der besonders lukrative Handelsregisterauszugs-, Ausschreibungs- und Stellenanzeigenmarkt ist der FTD weitgehend verschlossen geblieben.

Die Financial Times Deutschland ist nicht an zu geringen Abo- und Verkaufszahlen eingegangen. Es gibt zahlreiche „Zeitungen“ in Deutschland, die deutlich weniger Leser vorweisen können, als die Financial Times – und dass, obwohl sie sogar kostenlos verteilt werden. Dennoch überleben diese Blätter und werfen sogar Gewinne ab. Weil sie genug Anzeigenkunden haben, denen sie ein „positives Umfeld“ bieten. Dass sich diese Druckwerke keine „Redaktion“ leisten, die diesen Namen aus journalistischer Sicht verdient, scheint dem „positiven Umfeld“ dabei keineswegs abträglich zu sein.

Bei der Financial Times Deutschland kam erschwerend hinzu, dass es hier nie um das reine Überleben der Zeitung ging. Die FTD sollte auch Gewinn abwerfen. Und zwar doppelt: Für die Lizenzgeber der Mutterzeitung in England und für den herausgebenden Gruner + Jahr Verlag. Der G+J Mutterkonzern Bertelsmann ist dafür bekannt, von seinen Töchtern eine Umsatzrendite von mindestens 10% zu verlangen.

Wenn der Anzeigenmarkt jedoch Qualität in der (Wirtschafts-)Presse nicht honoriert: Ist dann qualitativ hochwertiger Wirtschaftsjournalismus in Deutschland überhaupt möglich? Ich meine: Nein. Zumindest nicht, solange dafür Tonnen von Papier bedruckt und durch die Republik geschickt werden müssen.

Mit neuen Finanzierungskonzepten und Zielgruppen-orientierten Angeboten auf Basis von Online-Diensten sehe ich dagegen durchaus ein Potential, eine gute Wirtschaftspresse zu etablieren. Denn Bedarf und Zahlungsbereitschaft für gutem und exklusiven Wirtschaftscontent gibt es durchaus – nicht aber für den Pressemitteilungsabdruck oder dpa -News.

Wie das aussehen könnte? Das ist eine andere Geschichte. Die ich vielleicht demnächst mal hier diskutiere. Zunächst muss ich aber wieder häufiger auf den Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung zurückgreifen. Denn Handelsblatt oder FAZ werde ich mir (auch heute) nicht antun. Da hat sich in den letzten 12 Jahren – wie meine gelegentlichen Stichproben zeigen – herzlich wenig getan.

 

 

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Grüne Urwahl. Gute Urwahl?

Die Grünen haben ihre „SpitzenkandidatInnen“ für die kommende Bundestagswahl in einer Urwahl bestimmt (allgemein zum Begriff „Urwahl“ und dessen Herkunft).

War das eine gute Idee? Hat das zu einem guten Ergebnis geführt? Was schreibt die Presse darüber?

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