Clinton vs. TrumpHier als Ergänzung zu meinem Ausblick auf das US Wahljahr 2016 eine kleine Sammlung interessanter Ereignisse, Fakten, Geschichten & Geschichtchen (nicht notwendiger weise immer wahr) und Kommentare aus dem US Wahlkampf 2016. Ganz subjektiv und ohne Anspruch auf Vollständigkeit (freue mich aber über Hinweise auf mögliche Beiträge).

Die „Splitter“ sind als Tagebuch geschrieben, bei dem neue Einträge immer oben hinzugefügt werden und die älteren nach unten verdrängen. Wer zum ersten Mal hier ist, wird am besten unten anfangen zu lesen.

Dauerhafte Informationsquellen:

9.11.2016: Trump hat gewonnen! 

Mehr später.

8.11.2016-3:Wie sind die Aussichten?

Antworten hier: Prognosen zu den US-Wahlen 2016

Weiter gehts ab ca. 23:30 im Live Blog.

 

8.11.2016 – 2: Clintons letztes Wahlvideo

Veröffentlicht am Tag vor der Wahl: “ I am Hillary Clinton and I approve this message one last time.“

Zusammenfassung von CNN

8.11.2016: Analyse, welche Ökonomen sich für welche Kandidaten aussprechen

Wirtschaftswissenschaftler sind nicht klüger als andere Menschen – sie können ihre Fehler nur besser begründen. 😉

von der Washington Post hat mal geschaut, wo die herkommen (welche Hochschulen) und welche Empfehlungen sie in der Vergangenheit ausgesprochen haben.

 

7.11.2016 – 3: Christian Fahrenbachs Wahlbegleiter

Christian Fahrenbach (Redakteur bei Krautreporter)  hat die ultimative Schummelliste für morgen Nacht zusammenstellt. In der Datei findet ihr, wann in welchem Bundesstaat die Wahllokale schließen (nach NYC-Zeit, also sechs Stunden später in Deutschland), wann AP (vermute: Nachrichtenagentur Associated Press) 2012 den Sieger dort ausrief, um wie viele Wahlleute es geht und wie der Staat bei den letzten sechs Wahlen abgestimmt hat. Die aktuellen Prognosen sind hinterlegt (Quelle: 538) von 1, dem demokratischsten DC bis 50, dem republikanischsten Wyoming) und in Spalte F könnt Ihr selbst mitprotokollieren oder die Siegerin berechnen. WOW! 

(Dafür klickt man dort  oben auf „Datei“ und dann „Herunterladen als“, dann habt Ihr Schreibberechtigung. Sortieren geht in Google auch ohne Schreibberechtigung oben unter „Daten“). Eine leicht auszudruckende Version gibt es unten als zweites Tabellenblatt.

 

7.11.2016 – 2: Haben meine letzten beiden Blog-Artikel hier noch gar nicht gepostet, das sei jetzt nachgeholt:

 

7.1.2016: Haben Trumps Berater ihm  Twitter weggenommen?

Haben Trumps Berater ihm wirklich Twitter weggenommen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Trump sich von irgend jemandem beraten lässt, geschweige denn etwas wegnehmen. Es sei denn, sie haben einfach das Post-it mit dem Passwort vom Bildschirm seine Laptops entfernt. Dann ist er natürlich aufgeschmissen…  Obamas Reaktion ist aber in jedem Fall passend:

Wenn jemand nicht mit einem Twitter-Konto umgehen kann, kann er nicht mit den Atomcodes umgehen.

Quelle: Tagesschau.

 

Jill Stein Investments6.11.2016- 3: Jill Steins halbe Doppelmoral

Dieser Eintrag fällt mir schwer. Weil ich erstens weiß, was für ein undankbarer Job es ist, als unabhängiger Kandidat / Kandidatin bei den US Präsidentschaftswahlen anzutreten. Und zweitens, weil ich glaube, dass Jill Stein es ehrlich meint, aber nicht konsequent genug denkt.

Was ist passiert: Bei einer Bewerbung um die US Präsidentschaft muss man gewisse Angaben zu den persönlichen finanziellen Verhältnissen machen, die den öffentlich werden. Donald Trump konnte das umgehen, weil sein angebliches Vermögen in seinen Firmen liegt und er zwar seine Firmen offen legen muss, aber nicht deren Finanzen.

Jill Stein dagegen hat ihre Finanzverhältnisse öffentlich gemacht. Zum Vorschein kamen Investments in

  • Klima-feindliche Kohle- und Öl-Energie,
  • große Banken,
  • die Pharmaindustrie,
  • die Tabakindustrie und
  • Militärfirmen(!).

Quelle: The DailyBeast.

Für mich ist es weniger ein Problem, dass sie Geld mit diesen Branchen verdient hat, dass sie jetzt für eine gute Sache einsetzt. Das Problem ist vielmehr, dass sie a) mit ihren Investments diese Branchen zunächst mal finanziert hat und b) als (theoretische) Präsidentin vor der Wahl gestanden hätte, ihr Programm wirklich um zu setzten und sich damit selbst finanziell zu schaden oder Kompromisse ein zu gehen, die ihre Investments schützen.

Und wäre Jill Stein je auch nur in die Nähe einer Chance auf das Präsidenten-Amt gekommen, dann hätten Republikaner und Demokraten ihr daraus den Strick gedreht. Und das hätte ihr weniger bei den potentiellen WechselwählerInnen geschadet, als mitten ins Herz ihrer Kernunterstützer getroffen. Es hätte ihre Kandidatur zerstört.

Und auch wenn ich das Engagement von Jill Stein schätze, poste ich das hier, damit  daraus etwas zu lernen ist: Meine, deine, jeder-manns/fraus  persönliche Glaubwürdigkeit hängt mehr vom eigenen aktiven, alltäglichen Handeln ab, als von abstrakten theoretischen / grundsätzlichen Diskussionen.

 

6.11.2016- 2: Early voting favorisiert Clinton

„Early voting“ ist das US Pendant zur deutschen Briefwahl, die es in den USA (Ausnahme: Oregon – dort kann NUR per Briefwahl abgestimmt werden) nicht überall gibt. In einigen Bundesstaaten (aber längst nicht allen) ist es all jenen, die am Wahltag nicht wählen gehen können (oder wollen) möglich, in der Woche vor der Wahl bereits an bestimmten Wahlstellen ihre Stimme abzugeben. Ausgezählt werden diese Stimmen aber auch erst am Wahltag.

Trotzdem erlaubt eine Besonderheit der US-Wahlrechts aus dem early voting bereits Schlüsse zu ziehen: Um überhaupt wählen gehen zu können, muss sich jeder US- Amerikaner an seinem Wohnort VOR der Wahl registrieren lassen (mindestens einmal an jedem Wohnort, empfohlen: jedesmal). Dieses dient der Identitätsfeststellung, da es in den USA weder eine Einwohnermelderegister noch einen Personalausweis gibt.  Bei dieser Registrierung kann er/sie  auch angeben, ob er grundsätzlich Demokrat, Republikaner oder Unabhängiger (Independent) ist:

In many states, persons registering to vote may at the same time declare an affiliation with a political party. This declaration of affiliation does not cost money, and does not make the person a dues-paying member of a party. A party cannot prevent a voter from declaring his or her affiliation with them, but it can refuse requests for full membership. In some states, only voters affiliated with a party may vote in that party’s primary elections. However, in the general election voters are free to vote for any candidate on the ballot, regardless of their declared affiliation. Declaring a party affiliation is never required and the option also exists to declare oneself „independent“. Some states, including Georgia, Michigan, Minnesota, Virginia, Wisconsin, and Washington, do not have party registration.

Quelle: Wikipedia

Die Daten, wieviele WählerInnen mit welcher Partei-Registrierung zum early voting gegangen sind, werden (mancherorts) veröffentlicht. Natürlich weiß niemand, ob sie wirklich für den Kandidaten / die Kandidatin ihrere Partei abgestimmt haben. Und wie die unabhängigen WählerInnen stimmten, ist natürlich völlig unbekannt. Aber wenn eine Partei beim early voting eine erheblich höhere / geringere Mobilisierung ihrer (registrierten) Anhänger verzeichnet, als das in der Vergangenheit, dann ist das ein gutes / schlechtes Zeichen.

Zwei relevante Ergebnisse sind (mir) bisher bekannt geworden:

  • Nevada: Turnout für die Demokraten in ähnlicher Höhe wie 2012, als Obama diesen „battleground state“ mit 7% Vorsprung gewann. Bei den Republikanern nochmal ein leichtr Rückgang gegenüber 2012. Quelle: ktnv.com
  • Florida: Laut CNN führen die Demokraten gegenüber den Republikanern, wenn auch nicht in dem Umfang wie sie es 2008 taten (kein Vergleich mit 2012 vorhanden).

More than 5.7 million Floridians have already hit the polls after about two weeks of in-person early voting. So far, 2,268,663 Democrats have cast their ballots and 2,261,383 Republicans have already voted. […]

Doing well in the early vote is absolutely critical in Florida, because a majority of voters cast early ballots in the past two presidential elections. This means the candidate behind in the early vote must make up ground on Election Day to stand a chance at winning Florida’s electoral votes.

Aktuelle Daten aus Florida: Florida Division of Elections.

 

6.11.2016: FBI teilt mit: Clinton hat NICHT gegen Gesetze verstoßen

Nachdem das FBI kürzlich mitteilte, die Ermittlungen gegen Hillary Clinton bezüglich ihres Umganges mit E-Mail wieder aufnehmen zu wollen, um neue E-Mails zu sichten (siehe 3.11.2016) und sich damit die Umfragewerte drastisch zu Ungunsten von Hillary Clinton verschlechtert hatten, teilt das FBI nun (nur 2 Tage vor der Wahl!) mit: Falscher Alarm. Die E-Mail seien alle rechtlich völlig sauber. Quelle und Hintergrund:

Trotzdem hat das FBI mit seiner öffentlichen Vorankündigung einer Ermittlung die Dynamik des Wahlkampfes massiv beeinflusst. Sollte Trump gewinnen, kann sich das FBI – zum ersten Mal seit J. Edgar Hoover  –  wieder mächtigste Institution der USA nennen. Sollte der Plan fehlschlagen, hat das FBI nur seinen Ruhm nachhaltig bekleckert und die Notwenigkeit einer massiven Reform belegt. Im Gegensatz zu Obama – der in (naiver) Hoffnung auf einen Ausgleich mit den Republikanern – einen der ihren auf den Posten des FBI Direktors berief, hat Hillary Clinton hoffentlich mehr Erfahrung und räumt den Saustall ordentlich auf. Aber dafür muss sie erst die Wahl übermorgen gewinnen.

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Ant Trump Ökonomen5.11.2016: Wirtschaftswissenschaftler warnen vor Trump und seiner Wirtschaftspolitik – 370 der Renomiertesten von ihnen

Ich bin oft nicht einer Meinung mit den meisten Mitgleidern meiner Ökonomen -Zunft. Und vor allem nicht mit unseren US-Vertretern. Vor allem sie sind mir zu blind Marktgläubig und zu wenig (Selbst-)Kritisch. Das führt dazu, dass sie oft den US-Republikanern näher stehen als einer Politik, die ich mir wünsche und für sinnvoll halte (was keineswegs identisch ist mit dem was die US-Demokraten anstreben).

Wenn sich aber 370 US-Ökonomen (drunter Nobelpreisträger und Vertreter der Top-Hochschulen) öffentlich gegen den Kandidaten der Republikaner stellen und vor seiner Wirtschaftspolitik warnen, dann sollten die WählerInnen das ein echtes Warnsignal ansehen:

Hundreds of Top Economists Say ‘Do Not Vote for Donald Trump’

Gleichzeitig haben 19 Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften (separat)  zur Wahl von Hillary Clinton aufgerufen.

Update 6.11.: Auch Investoren fürchten einen Präsidenten Trump.

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4.11.2016 Breaking Bad star Bryan Cranston about Donald Trump

„Trump is a classic tragic Shakespearean character“ – Breaking Bad star Bryan Cranston tells us what he thinks of Donald Trump (ab 4:20 min).

Full interview: http://bbc.in/2ekYgzQ #ALifeinParts

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Pricess Leila & the E-Mails 3.11.2016: Die „E-Mail Affäre“ – Stand der Information

Weil es gerade in allen Medien ist: Es gibt praktisch keine verlässlichen Informationen zu diesem Thema. Alles was bekannt ist, ist dass das FBI auf einem Rechner eines Kongressabgeordneten (gegen den wegen Sex mit einer Minderjährigen ermittelt wird) und Ex-Ehemannes einer Clinton Beraterin E-mail gefunden worden sind, die das FBI noch nicht gesichtet hat (Gerichtsverfügung fehlte). Aber dennoch hat es sich nicht nur entschlossen, eine Ermittlung gegen Clinton (in der sie als entlastet galt) wieder zu eröffnen und darüber (entgegen bestehender Ethik-Standards) die Öffentlichkeit zu informieren.

Mehr teilt das FBI nicht mit. Also der schlimmst mögliche Zustand, um WählerInnen zu verunsichern, ohne das sie sich eine fundierte Meinung bilden können. Was Trump und seine Anhänger natürlich (ohne jegliche Fakten) trotzdem tun.

Nach rechtsstaatlichen Grundsätzen muss Hillary Clinton als unschuldig gelten, bis das Gegenteil bewiesen ist. Leider wird das vielen Medien und US-Wählern völlig egal sein.

Ich sehe darin einen Versuch des FBI, diese Wahlen im Sinne der Republikaner zu beeinflussen. Der Leiter des FBI ist Mitglied der Republikaner.

Was die Medien in den USA leider kaum berichten, ist wie Republikaner der Vergangenheit (und Donald Trump) mit E-Mail, Servern, (vertraulichen) Informationen umgegangen sind. Auch wenn vermutlich nicht alle hier genannten Beispiele einer Überprüfung standhalten, wird doch klar, dass die sog. „E-Mail-Affäre“ nur die Skandalisierung eines normalen Umganges mit Regierungsinformationen darstellt:

Umgang der Republikaner mit E-Mail & Computern

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2.11.2016: The issues

Rick Steve will die Debatte wieder auf die Themen fokussieren und hat die wichtigsten Positionen der Parteien / Kandidaten gegenüber gestellt:

Positionen der Parteien

Für Hillary Clinton passt das ganz gut. Trump halte ich für gänzlich unberechenbar – es gibt bei ihm keine Garantie, dass er Morgen das tun wird, was er heute versprach.

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1.11.2016: Erklär-Video aus Darmstadt

Der Darmstädter Erklär-Video-Anbieter Video-Boost hat ein kurzes (1:36min) Video gemacht, dass ein paar wichtige politische Unterschiede zwischen Clinton und Trump erklärt. Keine tiefe Analyse, aber für Menschen die sich bisher mit der US Wahl noch nicht beschäftigt haben, ein netter Einstieg

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31.10.2016: Trump zahlt nicht für schlechte Umfragen

Trump will seinem Umfrage-Dienstleister $766.756 nicht bezahlen, weil er mit den Umfrageergebnissen nicht zufrieden ist:

The billionaire has said he pays fairly and that he has withheld payments only when he was dissatisfied with someone’s services)

schreibt die Washington Post.

 

28.10.2016: Wahlforscher sagt: Trump wird gewinnen – entgegen aller Umfragen

Allan J. Lichtman, Professor für Geschichte an der American University hat eine Modell entwickelt, um den Ausgang der US Präsidentschaftswahl vorher zu sagen, das völlig unabhängig von Meinungsumfragen und politischen Themen ist. Er hat 13 Schlüssel-Fragen entwickelt, anhand der er beantworten kann, ob die gerade regierende Partei weitermachen darf. Wenn mehr als fünf dieser Fragen mit ‚false‘ beantwortet werden, verliert laut Lichtman die regierende Partei:

Party Mandate: After the midterm elections, the incumbent party holds more seats in the U.S. House of Representatives than after the previous midterm elections. false
Contest: There is no serious contest for the incumbent party nomination true
Incumbency: The incumbent party candidate is the sitting president false
Third party: There is no significant third party or independent campaign false
Short-term economy: The economy is not in recession during the election campaign true
Long-term economy: Real per-capita economic growth during the term equals or exceeds mean growth during the previous two terms true
Policy change: The incumbent administration effects major changes in national policy. false
Social unrest: There is no sustained social unrest during the term true
Scandal: The incumbent president is untainted by major scandal. true
Foreign/military failure: The incumbent administration suffers no major failure in foreign or military affairs true
Foreign/military success: The incumbent administration achieves a major success in foreign or military affairs false
Incumbent charisma: The incumbent party candidate is charismatic or a national hero. false
Challenger charisma: The challenging party candidate is not charismatic or a national hero. true

Das mag zu simpel erscheinen, aber Lichtman hat dieses Modell bereits 1981 entwickelt und damit den „popular vote“ (nicht zu verwechseln mit der Präsidentschaft, die von den Wahlmännern der Staaten bestimmt wird)  in allen acht Presidential Elections von 1984 bis 2012 — erfolgreich vorhergesagt. Erfolgreicher als alle anderen Methoden. Aber er sagt auch, dass diese Wahl sich von den vorherigen Wahlen in vielen Dingen von allen vorherigen Wahlen unterscheiden:

I do think this election has the potential to shatter the normal boundaries of American politics and reset everything, including, perhaps, reset the keys to the White House.

Mehr zur Methode und zur Bewertung der einzelnen Faktoren in den Artikeln der Washington Post vom 12. Mai, 23. September und 28. Oktober.

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27.10.2016: Word of the day: „Rigged“

 

26.10.2016: Die ehrlichste US-Politikerin? Hillary Clinton!

Wer ehrlich ist, hängt natürlich davon ab, wie man ‚ehrlich‘ definiert. Und da das nicht eindeutig ist, müssen wir in die schmutzigen Details schauen:

Die US Webseite politifact.com hat es sich zur Aufgaben gemacht, die Aussagen der US Politiker zu prüfen und (die Komplexität der Welt berücksichtigend) in eine von fünf Kategorien einzuordnen:

  • Richtig
  • Überwiegend richtig
  • Halb richtig
  • Überwiegend falsch
  • Falsch
  • Bewußt gelogen (basierend auf dem Kinderreim: „Liar, liar, pants on fire“ hier: „Pants on fire“)

Faktencheck US PräsidentschaftswahlDenn Falschaussagen könnnen mehrere Ursachen haben: Schlechte Formulierung, Beschönigung, Unwissenheit, Dummheit oder auch die gezielte Lüge.

Jetzt liegt ein systematische Auswertung vor für alle PolitikerInnen, die seit dem Beginn der Vorwahlen eine wichtige Rolle gespielt haben (Ausnahme: Bill Carson, weil von ihm nicht genug Zitate vorlagen). Mit sehr spannenden Ergebnissen:

  • Wenn man Ehrlichkeit anhand von ‚Richtig‘ und ‚Überwiegend richtig‘ defniert, wie ich das tun würde, dann führt Hillary Clinton (mit 52%) knapp vor John Kasich und Bernie Sanders (je 51%). Darauf folgen Barak Obama und (!) Jep Bush (je 47%). Und Rand Paul mit 45%.
    Demokraten gewinnen bei den Top6 mit 7% vor den Republikanern.
  • Wenn man jedoch strikter ist als ich und nur die absolut richtigen Aussagen wertet, dann führt John Kasich mit 26% vor Hilary Clinton mit 24% und (Achtung, Überraschung!) Sarah Palin (!) mit 23% knapp dahinter. Es folgen Paul Ryan (22%) und Barak Obama  (21%) und Chis Christie (20%). Bei korrekten Fakten tragen also die Republikaner als Partei einen Sieg davon. Nur „crooked“ Hillary ist ähnlich Fakten-sicher.
  • Wer deutlich großzügiger ist und auch halb richtige Aussagen noch gelten lässt (80-20-Regel), findet Obama (73%) vor Clinton (71%) vor Bush und Sanders (je 69%) vor Biden und Kasich (je 68).
  • Donald Trump kommt gerade mal auf 2% Ausagen, die komplett richtig sind, schafft zusammen mit überwiegend richtig nicht einmal die 10% und kommt sogar mit halbrichtigen Aussagen kanpp über die 20%.Mehr als 75% seiner Aussagen sind einfach inkorrekt.
  • Ehrlich = am wenigsten Lügen? Bei den offensichtlichen Lügen gibt es auch eine faustdicke Überraschung: Bernie Saners konnte nicht einen einzige Lüge (0%) nachgewiesen werden. Hillary folgt mit 1% nachgewiesenen Lügen. Dann folgen Obama (2%), Bush (3%) und Rubio mit 4%. Die meisten klaren Lügen kommen nicht wie veilleicht erwartet, von Trump, sondern von der Republikanerin Michelle Bachmann (26%). Trump folgt jedoch mit 19% Lügen (und klarem Abstand zu den anderen) an zweiter Stelle.
  • Wenn man Lügen und Falschaussagen zusammen faßt, steht mit Jep Bush ein Republikaner am besten dar, gefolgt von Obama, Clinton, Sanders, Ryan und Kasich.
  • Bachmann und Trump sind die einzigen Politiker, die es schaffen, dass übr 60% ihrer Ausagen falsch oder sogar gelogen sind. Bei alle anderen erfassten PolitikerInnen liegt dieser Wert nicht über 40%, d.h. bei 60+% der Aussagen gibt es zumindest etwas daran, das stimmt.
  • Kurios ist, das neben ihnen zwei Personen auf einen von 30% bei den Falschaussagen kommen: Ted Cruz und Sarah Palin. Beide Lügen zwar unter 10%, aber kriegen ihre Fakten wohl meist so gar nicht hin (oder Lügen geschickter). Wobei Sarah Palin wohl die bi-polarste Politikerin ist: 50% ihrere Aussagen ist entweder komplett richtig (2/5) oder komplett falsch (3/5). Was mich dazu verleitet, sie für besonders dumm zu halten: Sie hat – vermute ich – die geringste Absicht, Dinge zurecht zu biegen. Wenn sie sich jetzt noch auf die Realität einlassen würde, könnte aus ihr vielleicht irgendwann eine Demokratin werden.

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25.10.2016: Eminem gegen Trump & Trump Fans

Donald Trump wird nicht gerade ein Fan des White-Trash-Rappers von Eminem sein. Schon allein weil Eminems Raps seine geistigen Fähigkeiten übersteigen dürften. Insofern dürfte es ihn persönlich nicht besonders treffen, dass Eminem ihn einem aktuellen Track massiv angreift:

Consider me a dangerous man/ But you should be afraid of this dang candidate/ You say Trump don’t kiss ass like a puppet?/ ‚Cause he runs his campaign with his own cash for the funding?/ And that’s what you wanted?/ A fuckin‘ loose cannon who’s blunt with his hand on the button/ Who doesn’t have to answer to no one?/ Great idea!

Quelle: Rolling Stone

Allerdings dürfte es ihm politisch schaden. Denn Eminem hat seinen Hauptanhängerschaft bei weißen (formal) ungebildeten Arbeitern – also da wo Trump im Augenblick seine Hauptanhängerschaft rekrutiert. Und im Gegensatz zu Hillary Clinton (und Trump) spricht er die Sprache dieser Menschen. Der Track dürfte also dort einige Diskussionen auslösen. Auch weil er die Trump-Fans direkt angreift:

Run the faucet / I’m a dunk a bunch of Trump supporters underwater, […] Snuck up on ‚em in Ray-Bans in a gray van with a spray tan.[…] stegosaurus, Chuck Norris with a thesaurus […] Robin Thicke with a throbbin‘ dick.

Und er hat getroffen. Der Gegenangriff kommt von David Duke, früher Anführer des Ku Klux Klan, aktiver Judenhasser und heute Senatskandidat in Louisiana für die Republikaner.

Der Song wurde auf Eminems Shade 45 channel auf SiriusXM’s Sway erstveröffenlicht. Das auf der Rolling Stones Seite veröffentliche Video ist in Deutschland nicht verfügbar. Aber hier ein US YouTuber, der die Wirkung analysiert und den Text zitiert.

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24.10.2016: Wie Donald Trump die religiöse Rechte spaltet

MarriageDonald Trump ist eine Katastrophe. Für die USA, für die Republikaner, aber vor allem katastrophal für die religiöse Rechte („religious right“) der USA. Denn diese steht nun vor der Frage: Ist sie religiös, oder ist sie vor allem Rechts?

Nachdem sich Donald Trump gegen ihre eigenen Kandidaten (Christie, Rubio) durchgesetzt hatte, hatte die religiöse Rechte sich mit ihm abgefunden und ihn als Alternative zu Hillary Clinton unterstützt. Obwohl ihnen seine frühere Ansicht, dass der Staat nicht pauschal über Abtreibungen zu entscheiden habe, nicht recht war (er hatte diese Meinung erst geändert, als er Kandidat der Republikaner wurde). Und obwohl er Teile der religiösen Rechten mit seinen beleidigenden Aussagen in den Vorwahlen auch tief getroffen hat (Latinos, Frauen).

Das er es mit vielen anderen christlichen Geboten (Nächtenliebe, Du sollst nicht töten,… ) nicht so eng sieht, ist für die religiöse Rechte der USA traditionell kein Problem. Auch Ehebruch ist dort (zumindest bei Politikern) weithin akzeptiert (siehe Rechts). Wie in Deutschlands C-Parteien auch.

Doch ein Thema ist absolut Tabu: Sex. Das einzige Thema, mit dem sie Bill Clinton in 8 Jahren Präsidentschaft in Bedrängnis brachten, war, dass er sein Amt für einen sexuellen Akt missbrauchte. Sex darf (in den USA) nicht (sichtbar) sein. Das (in den USA alltägliche) Wort „Fuck“ wird im Fernsehen immer ausgebeept. Filme mit seichten Sex-Szenen werden ganz schnell mit ab 18 geratet, Gewalt, Folter und Mord dagegen sich in den USA im Film auch ab 16 oder gar ab 12 Jahren akzeptabel.

Nicholas Kristof (NYT)

Nicholas Kristof (NYT Journalist) auf Twitter

Und dann kam das Video, in dem Donald Trump sexuelle Gewalt als seine Methode, sich Frauen zu nähern, beschreibt. Und Worte verwendet, die die religiösen Rechten vielleicht heimlich denken, aber nicht hören wollen. Und es kamen zahlreiche Berichte von Frauen, die von Trump genau so angegangen worden sind (siehe Eintrag 15.10.).

Während seine frühen Kritiker davon wenig überrascht sind, spaltete sich die religiöse Rechte jetzt in die Religiösen und die Rechten.  Für viele religiöse Menschen hat er damit aber eine Grenze überschritten, die unverzeihlich ist. Die rechten Anführer dagegen halten verzweifelt an Trump fest, das sie vor allem um die Besetzung des Supreme Court (Verfassungsgericht) fürchten, für die Trump ihnen genehme Kandidaten versprochen hat.

Doch abgesehen davon, dass es keinen Grund gibt, warum Trump sich an dieses Versprechen halten sollte: Sie werden Probleme haben, den Religiösen zu erklären, dass die Besetzung des Supreme Court in der Bibel als wichtiges Ziel genannt wurde.

Nicholas Kristof (NYT)Und das ist nicht nur eine Meinungsverschiedenheit – sondern ein sehr grundsätzlicher und laut ausgetragener Konflikt darum, ob moralisches Verhalten wichtiger ist als politische Macht. Und auf einmal stehen Trump und seine Unterstützer da als genau das opportunistische Etstablishment, das sie anzugreifen vorgeben. Und sie stehen dabei unter kritischer Beobachtung der (kleinen) christlichen Linken, die der Rechten seit langen vorwerfen, nur die Teile der Bibel zu lesen, die ihnen ins Zeug passen.

Soweit die Kurzdarstellung. Weitere spannende Infos:

Praktisch bedeutet dass, das Trump eine Einbruch in einer WählerInnengruppe erlebt, die für Republikaner nicht nur sicher, sondern auch 100% verläßlich war. Selbst wenn die wenigsten nun plötzlich für die „Feindin“ Hillary stimmen werden – auch eine Stimme für einen unabhängigen Kandidaten oder ein Wegbleiben am Wahltag wird für Trump vermutlich fatal sein. Und es ist nicht abzusehen, wie sich das in den verbleibenden 14 Tagen noch wenden soll.

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23.10.2016 – 3: Die dritte Debatte – bei Saturday Night Life

 

23.10.2016 – 2: Die USA sind gepalten

 

gespaltene USA

Interessanter Artikel über die zukünftige demographische Entwicklung der US Bevölkerung und was sie für die beiden Parteien bedeutet.

 

Popularität von US Politikern23.10.2016:  Die Sanders Falle – in die Paul Ryan sprang

Die US-Republikaner haben während der Vorwahlen mehrfach offen und verdeckt versucht Bernie Sanders gegen Hillary Cinton zu unterstützen. Nicht weil sie ihn politisch sympathischer finden, sondern vor allem aus taktischen Gründen – weil sie glaubten ihn leichter besiegen zu können als Hillary Clinton (ich hatte das bereits im Februar näher betrachtet).

Bernie Sanders hat sich auch nach seiner Niederlage gegen Clinton keineswegs zurück gezogen, sondern unterstützt derzeit aktiv Kandidaten der Demokraten bei ihren Wahlkämpfen für den Senat und den Kongress (was Medien-mäßig allerdings weniger sichtbar wird).

Nun hat der Sprecher der Republikaner im Kongress (Repräsentantenhaus) Paul Ryan die Strategie, Sanders gegen Clinton zu benutzen, aufgegeben und öffentlich davor gewarnt, dass eine Mehrheit der Demokraten im Senat dazu führen könnte, dass eben dieser Bernie Sanders zum Vorsitzenden des mächtigen Budget-Ausschusses werden könnte:

If we lose the Senate, do you know who becomes chairman of the Senate budget committee? A guy named Bernie Sanders. Ever heard of him? That’s what we’re dealing with here if we lose control of the Senate.

Gemein war das als Schreckgespenst, um die eigenen Anhänger zu motivieren. Bewirkt hat es genau das Gegenteil. Nachdem die Äußerung öffentlich wurde, hat Bernie Sanders sie aufgegriffen:

Noch absurder ist jedoch Trumps Reaktion auf diese Satire.

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16.10.2016: Trump starteted Kleinkrieg in Ohio – mit dem Vorsitzenden der eigenen Partei

Als hätte er nicht schon genug Probleme, aber nein, ein weitere Feind geht immer noch: Trump campaign declares war on Ohio GOP chairman

Gute Satire: The hideous, diabolical truth about Hillary Clinton

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15.10.2016 – 2: Der Fall „Utah“ – die Sensation Utah?

Unter den US Bundesstaaten nimmt Utah schon immer eine Sonderstellung ein. Denn Utah ist nicht nur besonders religiös. Sondern auch fest in der Hand der Mormonen. In Utahs Hauptstadt Salt Lake City haben sie ihren Hauptsitz und dominieren von hier den gesamten Bundesstaat. Und da die Mormonen noch ein Stück puristischer und rigider sind als andere christliche Richtungen, hat der Staat seit Menschengedenken mehrheitlich immer für die Kandidaten der Republikaner gestimmt. Und galt als sichere Bank – politisch langweilig.

Doch gerade die Besonderheit Utahs könnte jetzt zu einer kleinen Sensation führen. Denn unbemerkt von den meisten Medien holt derzeit ein bisher unbekannter Republikaner in Utha drastisch auf und könnte Trump dort um die sicher geglaubten Delegierten bringen: Evan McMullin.

Evan McMullin

Evan McMullin

Der Mormone Evan McMullin hatte sich nicht mit dem Durchmarsch Trumps bei den republikanischen Vorwahlen abgefunden und seine eigene Präsidentschaftskandidatur bekannt gegeben. Er hat auch es in einigen Bundesstaaten auf den Wahlzettel geschafft – doch war sogar neben den anderen „kleinen“ Kandidaten (Jil Stein und Gary Johnson) in der Wahrnehmung verschwunden. Bis jetzt. Denn in Utah hat sich seit Trumps Grabscher-Affäre die Stimmung gegegen ihn gedreht und eine aktuelle Umfrage sieht McMullin aufholen:

Hillary Clinton  26%
 Donald Trump  26%
 Evan McMullin  22%
 Gary Johnson   14%

Das Problem: Weil niemand Utah für spannend hielt, gibt es dort nur wenige Umfragen. Aber wenn die obige Umfrage ein realistischer Schnappschuss ist, dann könnte eine kleine Sensation bevor stehen: Evan McMullin könnte mit dem derzeitigen Schwung an Trump und Clinton vorbei ziehen. Oder er kann soviele republikanische Stimmen auf sich vereinen, dass Hillary Clinton dort gewinnt. Beides wäre eine Katastrophe für Trump.

Mehr Infos: us-wahl2016.blogspot.de, Washington Post

Lesenswert ist auch die Wahlempfehlung der mormonischen Zeitung Deseret News:

What oozes from this audio is evil. We hear a married man give smooth, smug and self-congratulatory permission to his intense impulses, allowing them to outweigh the most modest sense of decency, fidelity and commitment. And although it speaks volumes about sexual morality, it goes to the heart of all ethical behavior. Trump’s banter belies a willingness to use and discard other human beings at will. That characteristic is the essence of a despot.

Wie und unter welchen Bedingungen Evan McMullin (rein theoretisch) sogar US-Präsident werden könnte – selbst wenn er nur Utah gewinnt – beschreibt Benjamin Morris auf FiveThirtyEight. Ein spannender Ausflug ins US Wahlrecht.

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15.10.2016: Weitere Beschuldigungen gegen Trump

Inzwischen sind es 12 (oder schon mehr? Weitere Fallsammlungen: slate.com, npr.org).12 Frauen, die sich aus der Anonymität in die Öffentlichkeit trauen und Donald Trump beschuldigen, sie sexuell belästigt oder ihnen sexuelle Gewalt zugefügt zu haben [eckige Formulierung, ich weiß, aber ich weiß gerade nicht, wie ich es anders formulieren soll]. Bedrückende Erlebnisse, die diese Frauen seit Jahren und Jahrzehnten mit sich herumschleppen. Besonders eindrücklich ist die Schilderung und die Offenheit von Kristin Anderson (Washington Post).Auf Youtube ist jetzt auch ein Video aufgetaucht, in dem Trump Sextipps gibt und unter anderem empfiehlt, ein Nein und sogar Widerstand von Frauen zu ignorieren und weiterzumachen:

Trump in 2010 on Fox boasted that the best way to win over a woman is to “move forward, even if you get smacked.“ Zitat:

Hier zum Video.

Auch wenn er das Model Vendela Kirsebom nicht begrapscht hat (zu wenig Zeit dazu?), findet sie kein positives Urteil über ihn:

Vendela Kirsebom, a former Sports Illustrated cover model, has described Donald Trump as “the most vulgar man I have ever met,”

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13.10.2016: Das Pussy-Grabber-Gate, das die Wahl entscheiden wird

Ich war bisher nicht dazu gekommen, das jetzt alles dominierende Thema des US-Wahlkampfes zu beleuchten. Ich hatte auch erst Zweifel, ob ich es hier berücksichtigen soll, weil es zwar einen weiteren Abgrund der Trump-Persönlichkeit aufzeigt, aber eben kein politisches Thema war. Und auch nicht lustig, sondern vor allem traurig ist.Jetzt aber hat es sich zum dominanten Thema des Wahlkampfes entwickelt und wird – diese Prophezeiung wage ich jetzt – diese Wahl endgültig entscheiden. Aber der Reihe nach:

  • Ende letzter Woche hat die Washington Post ein Video aus dem Jahr 2005 veröffentlicht, in dem Donald Trump damit prahlt, a) seiner Frau untreu zu sein b) anderen (auch: verheirateten) Frauen sexuelle Belästigungen und Gewalt angetan zu haben. Lowlights daraus:

“I moved on her, and I failed. I’ll admit it, […] I did try and fuck her. She was married,” [The tape was recorded several months after he married his third wife, Melania.]

“I’ve got to use some Tic Tacs, just in case I start kissing her,” Trump says. “You know I’m automatically attracted to beautiful — I just start kissing them. It’s like a magnet. Just kiss. I don’t even wait. […] And when you’re a star, they let you do it, […] You can do anything.”

“Grab them by the pussy. You can do anything.”

Das Video und detailiertere Transcripts daraus: Hier.

Das ist möglicherweise erst der Anfang, die Spitze des Eisberges. Bei der in dem Video dokumentierten Einstellung Trumps gegenüber Frauen und seiner vermeintlichen Unangreifbarkeit, dürfte er sich nicht auf so wenige Versuche beschränkt haben. Und noch mehr Frauen werden jetzt erwägen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Journalisten werden aktiv nach solchen Fällen suchen. Ich erwarte, dass es in den nächsten Tagen zu weiteren solchen Berichten kommen wird.Auswirkungen: 

Hillary: Grab he by the balls next time.

Auf bissige Reaktionen aus dem Netz musste Trump nicht lange warten….

Ich gehe davon aus, das das Thema die US Medien bis zum Wahltag in nur 26 Tagen ausreichend beschäftigen wird. Natürlich wird der harte Kern der Trump-Anhänger sich davon nicht beeindrucken lassen. Diese bestehen zu 90% aus Männern, die überwiegend eine ähnlich sexistische Haltung gegenüber Frauen hat wie Trump und seine Übergriffe normal findet, solange sie nicht bei der eigenen Frau / Freundin (Eigentum!) passieren. Oder werden die Berichte als eine Verschwörung gegen ihren Star abtun.Er wird jedoch mit jedem Bericht schwindende Unterstützung aus zwei Gruppen erleben, die wichtig sind, um überhaupt nur in die Nähe eines Wahlerfolges zu kommen:

  • Frauen: Die Unterstützung für Trump bei Frauen wird weiter schrumpfen und damit könnte er besonders jene Staaten, in denen er bisher noch knapp vor Hillary Clinton führt ( z.B. Georigia, Alaska, Missouri) verlieren.
  • Religiöse / Evangelikale: Bei dieser Kernwählerschaft der Republikaner (die mit politischen Argumenten kaum erreichbar ist) tat Trump schon seine bisherige Lebensführung (zwei Scheidungen, eheliche Untreue) weh. Dennoch hätten viele aus Abneigung gegenüber den Demokraten und gegenüber (der Frau!) Hillary Clinton wohl trotzdem für Trump gestimmt. Die Ablehnung von (außerehelichem) Sex ist jedoch in dieser Gruppe ein so gewichtiges und negatives Thema, dass  Trump hier völlig einbrechen könnte, wenn die Berichterstattung so weiter geht wie ich vermute. Vor allem, weil es hier nicht nur um die persönliche Wahlentscheidung geht, sondern die Anführer dieser Gruppen zu öffentlichen Statements zu seinem Verhalten befragt werden werden und sie (um ihre eigenen Haltung nicht unglaubwürdig werden zu lassen) sich mehr oder weniger distanzieren werden müssen. Die Absetzbewegung hat schon begonnen.

Natürlich werden nicht alle deshalb gleich für Hillary Clinton stimmen. Aber schon wenn sie einfach nicht zur Wahl gehen, kann dass katastrophale Auswirkungen für die Republikaner haben. Nicht nur bei der Präsidentschaftswahl, sondern auch bei den (gleichzeitig stattfindenden) Wahlen zum Senat und zum Repräsentatenhaus. Zum einen werden den (oft den WählerInnen ziemlich unbekannten) Kandidaten der Republikaner die wegbleibenden WählerInnen fehlen. Zum anderen stehen die Kandidaten vor einem Dilemma: Unterstützen sie Trump weiterhin, verlieren sie wohlmöglich WählerInnen in der Mitte, die sie für einen Wahlsieg brauchen. Distanzieren sie sich jedoch von Trump, werden sie die (unberechenbaren) Trump-Anhänger verärgern. Schweigen sie, bringen sie möglicherweise sogar beide Gruppen gegen sich auf.Die New York Times dokumentiert diese Entscheidungen aktuell auf eine eigen Seite: Where Republicans in Competitive House and Senate Races Stand on Donald Trump. Allein dass zeigt, welche Belastung Donald Trump inzwischen für die Republikaner geworden ist.
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12.10.2016: Jedes Land hat genau die Kandidaten… 

Immer mehr US-Amerikaner schimpfen auf beide PräsidentschaftskandidatInnen. Niels Pflaeging hat da eine klare Meinung zu:

So ähnlich (nur ausführlicher) hatte ich das auch schon in meinem Text „Politik ist…“ gesehen. Und das gilt natürlich auch für Deutschland.

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11.10.2016: Trump and Clinton: The Victorian Novel

The odd Trump - Eine Viktorianische Novelle

The Odd Trump – Ein viktorianischer Roman

Ganz unpolitisch, aber ziemlich lustig und literarisch eine spannende Entdeckung, die der New Yorker da ausgegraben hat:

The anonymously authored and utterly forgotten tale “The Odd Trump,” from 1875, is a ripe bit of Victorian preposterousness. Starting with the damsel saved from a train wreck, the book includes everything from a disputed will and a mysterious old servant to a cursed mansion. Also: ghostly sleepwalkers! Bloody duels! Secret sliding doors! (The latter, hidden in a conservatory, might be more accurately described as a secret sliding lemon tree.) But, most important: it has a hero named Trump.

And his old friend and sometimes rival? Clinton, of course.

Und natürlich hat der New Yorker Ähnlichkeiten zu den Präsidentschaftskandidaten unserer Zeit gefunden – die Themen haben sich erstaunlich wenig geändert: Lügen

Along with Trump and Clinton on lying (Trump: “ ‘Is it so very odd, to abstain from lying?’ ‘Very!’ answered Clinton, dryly.”),

Rassismus:

Inevitably, anyone writing about Trump must also confront racism: in 1875, it’s in the form of Clinton’s servant, a freed slave named Agamemnon Jehoshaphat Washington Blox, whose characterization teeters uneasily between dialect comedy and actual empathy. (“I say you nebber seen a n—,” he snaps at Trump’s white servant, explaining that the correct term is “culled pussons.”)

Finanzielle Abhängigkeiten und Dickköpfigkeit:

Both its time and ours have a Trump whose fortune depends in part on a casino and whose finances are a point of contention. But only one has Clinton calling Trump a “deceitful old humbug” and “an obstinate, mule-headed sucker”—until the debates, at least.

Drohungen & Gewalt:

It’s not long after Trump has threatened to throw a beer bottle at Clinton’s head

Wobei der moderne Donald Trump ja (in bester Diktatoren-Manier) heute dazwischen schwankt,  Hillary Clinton ins Gefängnis werfen oder gleich erschießen zu lassen.

Wer sich literarisch auf die Wahl am 8. November einstimmen mag, der kann das also nun mit „The Odd Trump“ im Original (nie übersetzt), oder wenigstens mit dem Artikel des New Yorker tun, der auch eine wichtige Warnung enthält:

Even in its own time, one favorable review of “The Odd Trump” found that “the plot is rather complicated”—a sure signal to reach for the brandy.

Was kein Nachteil sein muss. Das im Roman auch noch Göttingen (mit korrektem Umlaut!) erwähnt wird, ist ein persönliches kleines Sahnehäubchen:

Clinton? Never heard that name. But a Yankee could have a dozen names. There was that Göttingen Yankee. Ah! Stratton. Of course! The very same.

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10.10.2016: Zweite Präsidentschaftsdebatte 

Ich komme gerade nicht so recht mit dem Aktualisieren hinterher, aber die zweite Präsidentschaftsdebatte muss ich natürlich würdigen. Passend zur Zusammenfassung scheint mir dieses Zitat aus der Süddeutschen Zeitung zu sein:

Die Blutung stoppen[…]: Trump ist das mit einer – für viele überraschend – guten Leistung gelungen. Dass dafür Beleidigungen, Lügen und eine seltsame Pressekonferenz nötig waren, wird ihm egal sein. An der Lage hat sich jedoch nichts geändert: Alles spricht für einen Wahlsieg von Clinton, weil Trump auch heute Latinos, Schwarze und Frauen mit College-Abschluss eher abgestoßen als überzeugt haben dürfte.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Problematisch finde ich den dort verwendeten Begriff der „Schlammschlacht“, da es fast ausschließlich Trump ist, der jeglich Debatte losgelöst von Fakten und vor allem basierend auf Lügen, Beleidigungen und Unterstellungen basierend führt. Hillary Clinton bevorzugt das anders:

Clinton ist qualifizierter, aber das scheint nebensächlich. Im giftigen Rededuell ging manchmal unter, dass viele Fragen aus dem Publikum kamen. Clinton ging häufiger auf die noch unentschlossenen Bürger ein und war noch anderswo konventionell: Sie nannte Details und versucht zu erklären. Dass diese Frau um Längen qualifizierter für das höchste Amt ist, ist unübersehbar.

Aber ihr Problem ist: Wenn man mit jemandem kämpft, der mit Schlamm wirft, kann man praktisch nicht vermeiden, schmutzig zu werden. Im normalen Leben würde ich jedem raten, solchen Auseinandersetzungen aus dem weg zu gehen. Aber das würde bedeuten, ihm die US Präsidentschaft zu überlassen. Ein verantwortlicher Mensch würde das Schicksal von Millionen nicht in die Hände von so einem Menschen legen, sondern eben auch riskieren dabei beschädigt zu werden.

Anyway: Die US Medien hier z.B. CNN , FiveThirtyEight und Policy.mic kommen zu einem (für Trump) deutlich schlechterem Ergebnis.

Besonders amüsant: Das Großmaul, das behauptet, es locker mit Putin, Assad und ISIS aufnehmen zu können, jammert rum, weil ihn angeblich die TV Moderatoren benachteiligen. Und dann gibt es noch diesen Tweet:

 

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6.10.2016 USA Today: Trump unfit for Presidency

 

In the 34-year history of USA TODAY, the Editorial Board has never taken sides in the presidential race. Instead, we’ve expressed opinions about the major issues and haven’t presumed to tell our readers, who have a variety of priorities and values, which choice is best for them. Because every presidential race is different, we revisit our no-endorsement policy every four years. We’ve never seen reason to alter our approach. Until now.

 

Where does that leave us? Our bottom-line advice for voters is this: Stay true to your convictions. That might mean a vote for Clinton, the most plausible alternative to keep Trump out of the White House. Or it might mean a third-party candidate. Or a write-in. Or a focus on down-ballot candidates who will serve the nation honestly, try to heal its divisions, and work to solve its problems.

Whatever you do, however, resist the siren song of a dangerous demagogue. By all means vote, just not for Donald Trump.

Quelle: USAToday

 

5.10.2016 Vom Saulus zum Paulus?

Das ist eine ziemlich saftige (US: „juicy“) Nachricht – und natürlich wird sie echte Trump-Fans nicht beeinflussen. Denn die sind ja über alle Zweifel und Fakten erhaben und werden schon eine Verschwörungserklärung dafür finden.  Jene US WählerInnen jedoch, die wenigstens mit ein bisschen Verstand und Bildung an die Wahlurne schreiten, könnten diese Nachricht etwas verändern.

Es geht um Michael Chertoff. Chertoff war in der Vergangenheit Richter an einem US Berufungsgericht, Secretary of Homeland Security und Leiter der „criminal division“ des Justice Department (vergleichbar mit dem Präsidenten des Bundeskriminalamtes). Er ist ein Leben lang Republikaner gewesen.

Vor allem aber: Er ist über weite Strecken ein zentraler Gegner der Clintons gewesen. Michael Chertoff

was the lead Republican counsel on the Senate Whitewater Committee, one of the first of many congressional investigations into Hillary Clinton.

Also de facto der Hauptermittler der Kampagne der Republikaner gegen Hillary und Bill Clinton. Und er hat seine Position in dieser Frage nicht geändert. Und auch Hillary Clintons Umgang mit E-Mails während ihrer Amtszeit findet keineswegs seine Unterstützung.

Dennoch will er am 2. November 2016 für Hillary Clinton als Präsidentin der USA stimmen. Und das, obwohl sie ihm als Senatorin ihre Stimme bei der Wahl zum Berufungsrichter verweigerte.  Warum macht jemand so etwas?

All of this, though, was before the Republican Party nominated Donald Trump as its presidential candidate. […] Over the weekend, Chertoff […] told me his decision came down to national security. “I realized we spent a huge amount of time in the ’90s on issues that were much less important than what was brewing in terms of terrorism,” he said. For Chertoff, Clinton “has good judgment and a strategic vision how to deal with the threats that face us. […] People can go back decades and perhaps criticize some of the judgments that were made,” Chertoff said. “That is very, very insignificant compared to the fundamental issue of how to protect the country.“

Quelle (lesenswert): Bloomberg

Michael Chertoffs Einsichten werden weder die Trump Fanboys noch hardgesottene Frauenhasser davon überzeugen, für Clinton zu stimmen. Aber vieleicht den ein oder anderen überzeugen, dass ein Abneigung in einzelnen Fragen noch kein Grund ist, für einen völlig Irren zu stimmen.

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4.10.2016: Victoria Woodhull und Hillary Clinton

Das nach Ansicht von Antje Schrupp so ungefähr Dümmste, das zurzeit zu hören ist – teilweise auch von Linken – ist, dass es bei der Präsidentschaftswahl in den USA um eine Wahl zwischen Pest und Cholera gehe, dass mit Clinton und Trump zwei gleichermaßen üble Gestalten kandidieren, zwischen denen man sich eigentlich kaum entscheiden kann.

Sicher lässt sich an Hillary Clinton vieles kritisieren. Aber im Übelkeitsgrad ist sie, wenn Donald Trump die Pest ist, höchstens ein Schnupfen.

Der bayerische Rundfunk hat Antje Schrupp zu Clinton befragt, auch im Vergleich mit ihrer Vorgängerin als Präsidentschaftskandidatin Victoria Woodhull. Das könnt Ihr unter dem folgenden Link nachhören (vor dem Interview gibt es noch ein paar Minuten Infos zu Woodhulls Leben).
https://cdn-storage.br.de/iLCpbHJGNL9zu6i6NL97bmWH_-by/_-QS/9Avc_2vH/160926_1005_Notizbuch_Victoria-Woodhull-1872-vs-Hillary-Clinton-2.mp3

Vorträge zu Woodhull und Claflin hält  Antje Schrupp bis zur Wahl noch zwei Mal: Am Freitag, 14. Oktober, im Frauenmuseum Bonn, Im Krausfeld 10, 19 Uhr und am Mittwoch, 2. November, im Frauensalon Unna-Kamen, Gemeindehaus Kamen, Schwesterngang 1 (19 Uhr).

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2.10.2016: Der Unterschied zwischen Donald Trump und illegaler Einwanderern

What’s the difference between Donald Trump & illegal immigrants? Illegal immigrants pay taxes. And some could pass a citizenship test.

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30.9.2016: Längst fällig – eine Star Wars Analogie

Bernie SAnders will save us - The Garbage will do

Stimme mit der Bewertung von Hillary Clinton nicht überein – aber witzig ists trotzdem.

 

28.9.2016: Debate Fallout

Die erste Debatte zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hat im Netz zahlreiche Reaktionen ausgelöst – von lustig bis harsch. Eine kleine, subjektive Auswahl hier:

NATO? WTF ist NATO?

Trump ist Geschäftsmann. Der kennt sich mit Wirtschaftsfragen aus. Jedenfalls erweckt er den Eindruck. Hier nicht:

Zweifach falsch:

  • Eine Mehrwertsteuer (aka Umsatzsteuer aka VAT ) erhöht die Preise für Verbraucher – und zwar für alle Güter gleichermaßen.
  • Natürlich gibt es auch in den USA eine Mehrwertsteuer. Diese wird jedoch nicht von der Bundesregierung, sondern von den jeweiligen Bundesstaaten festgelegt. Dazu gibt es teilweise noch Städte oder Gemeinden, die ebenfalls einen gewissen Anteil erhalten. Resultat ist, dass die Mehrwertsteuer in den USA sogar von Stadt zu Stadt verschieden sein kann. (Quelle)

Wirtschaftskompetenz sieht anders aus.

Clinton mag Fehler bei der Handbung ihrere E-Mails gemacht haben. Trump klingt, als könne er selbst weder einen Computer bedienen noch das Internet nutzen:

Allergie, Krank, Koks? 

New Yorker:

 Trump Threatens to Skip Remaining Debates If Hillary Is There

“Every time I said something, she would say something back,” he said. “It was rigged.”

 

Trump

 

Auf Twitter gibt es den HashTag #TrumpWon – da sich die Herkunft der Tweets grob bestimmen lässt, konnte nachvollzogen werden, woher sie kommen: Russland.

Aber warum sollten Russen Trump unterstützen? Ah, wait….

 

Die Frau, die Trump

Die Frau, die Trump „Miss Piggy“ nannte, hat einen Namen: Alicia Machado. Und bedankt sich: Danke an Hillary Clinton  Ihr Respekt gegenüber Frauen und unserer Unterschiedlichkeit macht sie großartig. Ich unterstütze sie.

27.9.2016: Erste Debatte: Clinton cool, Trump lügt und wütet

Die SZ veröffentlichte zwei fast gegensätzliche Bewertungen: Einerseits Trump habe verloren, Clinton aber nicht gewonnen, andererseits Hillary hat mit Donald den Boden gewischt. Auch der Spiegel urteilt: Clinton führt Trump vor. Der britisch Guardian urteilt „Trump loses cool“, was aus britischer Sicht schon fast das Schlimmste ist, was man falsch machen kann (die Guardian-Detail-Analyse).

Wer tiefer in Detail einsteigen will:

Vielleicht am schädlichsten für Trump war (The New Yorker meint das auch), dass Clinton seine Herablassende Haltung gegenüber Frauen damit öffentlich machte, dass er die ehemalige Miss Universe Alicia Machado als „Miss Piggy“ bezeichnet hatte (siehe rechts). Und auch wenn Hillary Clinton bei vielen typischen US Soccer Mums und Redneck Frauen nicht sonderlich beliebt ist: So gewinnt er in den kritischen Staaten nicht die Stimmen der Frauen, die er dort unbedingt braucht.

Nicht immer stimmen die Fakten, die die Kandidaten verbreiten. Manchmal sind sie falsch oder schlecht informiert. Manchmal liegen sie bewusst. Die Tagesschau hat die Behauptungen überprüft. Hier die Auswertung:

Wahrheitscheck Donald Trump

 

Wahrheitscheck Hillary Clinto

Eine dieser Aussagen war Trumps Behauptung: „I never said climate change was a hoax.“

Twitter-User konnten ihn schnell der Lüge überführen:

Trump über den Klima Hoax

 

Die vielleicht beste Zusammenfassung in 140 Zeichen, die ich bisher gesehen habe, kommt von Stefan Niggemeier:

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26.9.2016: Erzähl mir nicht, das Geschlecht keine Rolle spielt….

„Erzähl mir nicht, das  [Hillarys] Geschlecht keine Rolle spielt, wenn sie [von Trump-Anhängern] gleichzeitig mehr dafür verachtet wird, dass sie [von ihrem Mann] betrogen wurde, als dass Trump dafür verachtet wird [seine Frauen!] betrogen zu haben.

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21.9.2016: Ein Regenschirm-Symbolbild

Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild – keine Politik. Ein  Bild ist immer ein Sekundenbruchteil-Ausschnitt aus der Realität. Jeder Kontext, jedes warum, jedes Vorher und Nachher geht verloren. Ein Bild kann das Gegenteil von dem zeigen, was eigentlich passiert ist. Aber manchmal fasst ein Bild etwas sehr gut zusammen:

Regenschirm - Obama vs. Trump

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19.9.2016: Barbara und George H.W. Busch gegen Trump

Die Ehefrau des ehemaligen US Präsidenten George H.W. Busch und lebenslanges Mitglied der US Republikaner äußert öffentlich ihr Unverständnis darüber, wie Frauen überhaupt auf die Idee kommen können, für Donald Trump zu stimmen, nachdem er Frauen so extrem abwertend behandelt.

Ihr Mann plant sogar noch einen Schritt weiter zu gehen und für Hillary Clinton zu stimmen (Barbara äußert sich – zumindest im CBS Interview – dazu nicht).

Die typischen Trump-Anhänger wird das jedoch nicht beeindrucken – rationalen Argumenten und Sach-orientierter Politik stehen diese ja eher feindlich gegenüber. Die Frage ist also, wie weit die Republikaner-Granden überhaupt noch zu ihrer eigenen Basis durchdringen können. Denn die Wahlkämpfer der eigenen Partei haben zu Gunsten von Stimmengewinnen die Rhetorik und Unsachlichkeit so stark angefacht, dass Populisten wie Trump ein einfaches Spiel haben. Und selbst wenn Trump nicht gewinnt – die nächsten Populisten stehen schon bereit.

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15.9.2016: Trump nur Symptom eines antidemokratischen Trends? 

Amerikanische Wissenschaftler sehen Donald Trump als Symptom eines Trends, der das demokratische System zu zersetzen droht:

In einem sorgfältig dokumentierten Artikel auf der liberalen Website Vox.com analysiert die Journalistin Amanda Taub Trumps Aufstieg zum Dominator des republikanischen Primärwahlrennens. Die Autorin hat Forschungsergebnisse von verschiedenen US-Universitäten ausgewertet und kommt zum Schluss: Der republikanische Primärwahlkampf ist nicht bloss ein von einem finanzstarken Demagogen getriebener Spuk, sondern ein Vormarsch des Autoritarismus, der das demokratische System zu zersetzen droht.

Quelle: Richard Aschinger auf infoSperber

Ein Trend, der auch in Europa zu beobachten ist. Für die USA als ein Imperium in der Phase des Niederganges aber deutlich bedrohlicher – denn die Menschen neigen dazu, sich an alte Gewissheiten zu klammern, auch wenn diese nicht mehr gelten.

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14.9.2016: Newsweeks Trump Organization Recherche

Während sich die Presse im US-Wahlkampf bisher hauptsächlich um die Clinton Foundation kümmerte, hat Newsweek mal bei Trump vorbeigeschaut. Ergebnis:

A close examination by Newsweek of the Trump Organization, including confidential interviews with business executives and some of its international partners, reveals an enterprise with deep ties to global financiers, foreign politicians and even criminals, although there is no evidence the Trump Organization has engaged in any illegal activities. It also reveals a web of contractual entanglements that could not be just canceled. If Trump moves into the White House and his family continues to receive any benefit from the company, during or even after his presidency, almost every foreign policy decision he makes will raise serious conflicts of interest and ethical quagmires.

Lesenswerter Artikel mit vielen Details. Gefunden bei fefe.

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12.9.2016

Trump: If I loose, the race is rigged

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7.9.2016: Dallas Morning News empfiehlt Hillary Clinton – und das ist eine Sensation

Das Zeitungen in den USA eine Wahlempfehlung aussprechen, ist eine Tradition, die so in Deutschland nicht denkbar wäre. In der Regel sind es die Redaktion und/oder die Herausgeber, die sich für einen der zur Wahl stehenden KandidatInnen aussprechen und die Empfehlung auch ausführlich begründen. Soweit üblich in den USA. Aber:

The Dallas Morning News has not endorsed a Democrat since before World War II, but on Wednesday the Texas newspaper backed Hillary Clinton.

Und dass, obwohl Trump die Wahlmänner des Staates Texas ganz sicher zu seinem Lager zählen kann – sein Wahlsieg dort steht außer Zweifel.

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*** Urlaubspause***

7.8.2016: Trumps Wirtschaftsberater: Weiß, alt, männlich & extrem reich

Einige Bernie Sanders Anhänger wollen bei der Präsidentschaftswahl trotz seiner Empfehlung von Hillary Clinton für Donald Trump stimmen. Dass sie damit (eine Politik für die Top 1%) genau für das Gegenteil dessen stimmen, wofür Sanders steht (eine Politik für die 99% der Bevölkerung), wird sehr deutlich,  wenn man sich ansieht, wer seine Wirtschaftsberater sind.  Seine Geldexperten im Beraterteam sind fast ausschließlich Finanzinvestoren, sie verdienen ihr Geld mit Immobiliengeschäften oder mit Hedgefonds. . Die Hedgefonds-Manager auf der Liste passen allerdings nicht zu der Tatsache, dass Trump vor einigen Monaten heftig gegen jene Berufsgruppe gewettert hat, die keine Jobs schaffe und nicht durch eigene Leistung reich werde:

Die Hedgefonds-Typen haben dieses Land nicht aufgebaut. Diese Typen schieben Papier hin und her, und dann haben sie Glück.

Was aber für alle gilt: Sie sind alle weiß, alt, männlich und extrem reich. Frauen fehlen dagegen komplett auf der Liste. Kurioserweise heißen auch noch fünf von 14 Beratern „Steve“.

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3.8.2016 „Humanizing Hillary“?

Luise F. Pusch hat einen sehr spannenden Artikel über Hillary Clinton als Frau, Kandidatin und die Reaktionen auf sie geschrieben. Auszug:

Nach ihrer großen Acceptance Speech, die mich sehr beeindruckte, waren die KommentatorInnen sich einig: Die Rede sei inhaltlich schon ok gewesen, aber ihr Likeability-Problem habe Hillary damit nicht gelöst, und so habe sie die größte Chance dieses Wahlkampfs in den Sand gesetzt. Sie sei genau so reserviert und inauthentisch gewesen wie eh und je.  Ich konnte es nicht begreifen. Was war los mit diesen KommentatorInnen? Hatten wir dieselbe Rede erlebt? […]

Hillary kann das Authentizitäts-Wettrennen schwerlich gewinnen. Dazu müsste sie weniger authentisch sein. Was ich damit meine? Authentizität, Offenheit, Spontanität, Unverstelltheit, Natürlichkeit, Lockerheit sind Funktionen der Gesprächssituation, in der wir uns befinden. All diese schönen Dinge sind möglich in Gesprächen im kleineren, vertrauten Kreis. Sie sind nicht möglich in einer Situation, in der die Kandidatin unter kritischer Beobachtung steht, nicht nur von Tausenden während der Wahlveranstaltungen, sondern von den Millionen an den Bildschirmen. In solchen Situationen herrscht für normale Menschen das Gesetz der Befangenheit, der „self-consciousness“. M.a.W.: Befangenheit, Unfreiheit ist authentisch in einer Prüfungssituation! Anders gesagt: Authentisch sein in einer Prüfungssituation heißt: Befangenheit, Unfreiheit zeigen. Da das allerdings nur bei ungeübten SprecherInnen akzeptiert wird (wie bei der DNC des öfteren zu beobachten), müssen alle anderen versuchen, ihre natürliche Angst und Angespanntheit in dieser Situation zu überspielen. Es gelingt dem einen blendend, der anderen weniger gut.

Der Artikel ist lesenswert, eine Zusammenfassung schwer, da er vor allem Fragen stellt, statt Antworten zu geben. Lies ihn!

Ich verfolge Hillarys Werdegang seit 1992 – damals war „meine“ Communications Professorin Jarcie Hanson (UMASS) ihre Beraterin. Ich habe sie nie als unauthentisch empfunden und immer ihre Zielstrebigkeit und Klugheit bewundert. In der US Politik muss man (besonders als Frau) extrem vorsichtig mit jedem Wort, jedem Kleidungsstück und jeder Geste sein. Sie ist vielleicht keine so gute Schauspielerin wie andere, deshalb merkt man ihr ihre Vorsicht wahrscheinlich stärker an.
Ich halte die massive (emotionale) Ablehnung, die sie erfährt für Sexismus. Auffällig ist auch, dass sie für ihre inhaltlichen Positionen und Beschlüsse deutlich schärfer Attackiert wird als männliche Politiker/Minister.

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2.8.2016  Hillary macht’s Möglich, Victoria wird berühmt!

Eine neue Biografie über Victoria Woodhull ist da – passend zur Nominierung von Hillary Clinton als offizielle Kandidatin der Demokraten. Victoria Woodhull war die erste Frau, die 1871 in den USA für die Präsidentschaft kandidierte – jedoch ohne die Unterstützung einer großen Partei. Clinton sorgt dafür, dass Woodhull jetzt auch wieder ein bisschen Medienöffentlichkeit bekommt! Mehr Infos im Blog von Antje Schrupp.

1.8.2016: Clinton hat sich die Führung zurückgeholt

Mit dem Nominierungsparteitag der Demokraten hat ich Hillary Clinton die Führung in den landesweiten Umfragen zurückgeholt:

Clinto Trump Meinungsumfranen August 2016

Zusammenschnitt der aktuellen US-Meinungsumfragen (M)

Die Aussagekraft ist jedoch gering, da die Präsidentschaftswahl durch das Mehrheitsprinzip in den US-Bundesstaaten („Wahlmänner“) entscheiden wird (siehe unten).

Währendessen gerät Trump auch in der eigenen Partei von Seiten bisheriger Unterstützer unter Beschuss: Er hat die Eltern einen getöteten US-Soldaten kritisiert, weil sie Muslime sind.

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29.7.2016: 103-jährige Republikanerin moblisiert für Clinton – wie andere Frauen

„Republican Women for Hillary“ haben zwei Gründe, in den USA für Hillary Clinton zu mobilisieren: 1. um Donald Trump zu stoppen und 2. um eine Frau ins Weiße Haus zu wählen. Siehe den Artikel und das Video von CNN.

This is the post-primary Never Trump movement in action. Their new organization, which is not affiliated with the Clinton campaign, is part support group and part activist hub: They intend to host off-the-record social events for like-minded conservatives and sponsor get-out-the-vote efforts for Clinton.

Twitter: @GOPWomenWithHer  Hashtags:

Webseite: www.gopwithher.com

Sie haben auch durchaus prominente Unterstützung: U.a. eine ehemalige Redenschreiberin von Ronald Reagan und Caroline McCain, eine Enkelin von John McCain.

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25.7.2016: Unterschiedliche Wahrnehmungen Trumps

Neuen Umfragen zufolge hat Donald Trump seinen Nominierungsparteitag trotz vieler negativer News zu einem Umfrageschub nutzen können. Laut Spiegel führt Donald Trump jetzt mit 48% zu 45% vor Hillary Clinton.  Andere Umfragen bestätigen diesen Trend, der jedoch noch nicht den anschließend stattfindenden Parteitag der Demokraten berücksichtigt. Auch der linke Filmemacher und Politaktivist Michael Moore befürchtet nun einen Wahlsieg  Trumps – jedoch nicht ohne am Ende für die nächsten Tage einen Artikel anzukündigen, der einer Strategie aufzeigt, wie Trump bis November doch noch zu schlagen ist.

Das Umfrageplus Trumps ist jedoch nicht ohne bittere Pille:

Vor allem bei weißen Amerikanern ohne Hochschulabschluss legte Trump nach der Convention von Cleveland deutlich zu. Bei Weißen mit mindestens einem Bachelorabschluss verlor er durch die Convention jedoch.

Immer deutliche zeigt sich, dass Trump eben vor allem ein Kandidat der ungebildeten Unterschichten ist, obwohl seine Politik diesen vor allem Schaden wird. Doch in der dort herrschenden Mischung aus Religiosität, Verbitterung und Bildungslosigkeit kommen starke Sprüche und einfache Schuldzuweisungen eben besser an als eine durchdachte Sozialpolitik.

Doch auch führende Republikaner gehen auf Abstand zu Trump.Dafür hat sich die christliche Rechte mit Trump angefreundet – weil ihr Hass auf eine Frau größer ist als Trumps unchristliche Botschaften.

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Mike Pence 22.7.2016: The Running Mates

Hillary Clinton hat heute Tim Kaine zu ihrem Kandidaten für die Vize-Präsidentschaft gemacht. Wikipedia informiert über seine Positionen, die von Bernie Sanders nicht sehr weit entfernt sind (ohne das er so radikal wie Sanders auftritt). Der beste Artikel zu ihm steht in der Süddeutschen Zeitung. Kaine ist ein langjähriger Politik-Veteran der demokratischen Partei und versteht sich bestens auf Wahlkämpfe und die Arbeitsweise von Senat und Repräsentantenhaus.

Donald Trump hat Mike Pence als Running Mate gewählt, eine evangelikalen, radikalen Christen und Rechtsanwalt.  Der Wikipedia-Artikel über seine politischen Positionen ist bisher eher Schlaglicht-artig als umfassend, trotzdem gibt es einen interessanten Einblick in seine Denke (und wird sich vermutlich in den nächsten Wochen überarbeitet werden). Aussagekräftiger ist da eher der Artikel der Zeit, der nicht nur  die grundlegenden inhatlichen Differenzen zwischen beiden betont, sondern auch die Aufgabenteilung zwischen beiden beschreibt:

Die Aufgabenteilung ist klar: Trump lenkt, Pence hält den Mund.

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28.7.2016 Die  Democratic National Convention wählt Hillary Clinton zur Präsidentschaftskandidatin

Die Democratic National Convention im Wells Fargo Center in Philadelphia, Pennsylvania wählte Hillary Clinton mit 59.67% der Stimmen zur Präsidentschaftskandidatin. Ihr Rivale Senator Bernie Sanders bekam 39.16% der Delegiertenstimmen. Clinton ist die erste Frau, die jemals in den USA von einer der großen Parteien als Präsidentschaftskandidatin aufgestellt wurde.

 

21.7.2016 Die Republican National Convention wählt Donald Trump zum Präsidentschaftkandidaten

Die  Republican National Convention in der Quicken Loans Arena in Cleveland im Bundesstaat Ohio wählte Donald  Trump mit 1.725 Delegiertenstimmen zum Präsidentschaftskandidaten der US Republikaner. 721 Delegierte, die höchste Zahl auf einer Convention seit 1976, stimmten gegen Trump.

 

Alles was vorher geschah – nicht weniger spannend, nicht weniger lustig – und vor allem mit dem incredible, unforgotten Bernie „The Bern“ Sanders:

Teil 1 der US Wahlkampsplitter 2016 – Die Vorwahlen!

 

Siehe auch:

US Präsidentschaftswahl 2016: Clinton vs. Trump?

Live Protokoll der US-Präsidentschaftswahl 2012

Politik ist…

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